Blumfeld? Machen die nicht irgendwas mit Hip Hop oder Techno?

Blumfeld in der Fabrik, Hamburg, am 05.01.2007

Gestern fand in der Ottensener Fabrik zum vierten Mal das Benefiz für jugendliche unbegleitete Flüchtlinge statt, welches von Lisa Politt initiiert wurde.

Das Publikum bestand erwartungsgemäß zum größten Teil aus Leuten, die sich noch an ihre Teilnahme bei Demonstrationen gegen Atomkraftwerke erinnern konnten. In der ersten Hälfte des Abends präsentierten sich Herrchens Frauchen mit gewohntem Biss, während Rainer Trampert und Thomas Ebermann zwei Texte vortrugen, welche eher auf dem gesellschaftskritischen Niveau von Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann verharrten. Zur Beimischung wurde noch etwas Protestcountryfolkmusik der Band Gutzeit, welche die Vorgehensweise der Beamten der Ausländerbehörde sowie das Elend von Lidl-Kassiereinnen musikalisch anprangerten, gegeben. Was lässt man für einen guten Zweck nicht alles über sich ergehen?

Nach ein paar rührenden Dankesworten der begünstigten Jugendlichen waren in der anschließenden Pause nicht selten Dialoge wie „Blumfeld? Machen die nicht irgendwas mit Hip Hop oder Techno“ oder auch: „Blumfeld? Blumfeld? Kenne ich gar nicht“ „Ach, wenn Du ’s hörst, dann bestimmt…“ zu vernehmen.

Routiniert und nach der ausgiebigen Tour im letzen Jahr gut eingespielt präsentierte die Band gefühlte anderthalb Stunden aus der gesamten Bandbreite ihres Schaffens. Wie befürchtet, brachte allerdings erst das Lied Apfelmann die anwesenden regelmäßigen Biowochenmarktkonsumenten so richtig zum Kochen. Aber auch Eine eigene Geschichte, Mein System kennt keine Grenzen, Status Quo Vadis, und Alles macht weiter durften nicht fehlen. Nach der letzten obligatorischen Zugabe Verstärker gingen alle zufrieden nach Hause. Das Lehrerkollegium vergnügte sich bestens in der ersten Hälfte, die wenigen Blumfeld-Fans in der zweiten – und allen gemeinsam blieb das gute Gefühl, bereits zu Beginn des Jahres eine gute Tat vollbracht zu haben.

Nachtrag 1: Warum spuckt Jochen Distelmeyer eigentlich ständig auf die Bühne?
Nachtrag 2: Ich möchte bitte einmal bei Verstärker die Rückkopplungsgitarre spielen.

3 Antworten

  • Dem kann ich mich nur anschließen. Ich bin allerdings nachhaltig etwas verstört vom nachklingenden „Iiiii bin a Wetterfrosch“ (Herrchens Frauchen) und dem (nur z.T.) etwas schwafeligen Blumgefelde. Aber beim Apfelmann wurde natürlich eifrig mitgeklatscht ;-)

    Nachtrag: Mich würde auch sehr eine Antwort auf Nachtrag 1 interessieren… und ob die Fans ihre durch seinen Speichel veredelten Jacken, die sie auf der Bühne abgelegt hatten, jemals wieder waschen werden.

  • zu nachtragfrage 1,

    er spuckt um seinen mund stets in perfekter flora zu haben, denn beim schreien, und grandiosem gesang ist der manchmal überlüssig, der speichel.
    ich wasche meinen pullover trotzdem, denn das nächste konzert kommt bestimmt.
    lobe übrigens wieder die kleiderwahl des herrn, geschmackvoll wie eh und je.

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