Neuerdings wird der Boden von dunkelbraunem Parkett geziert. Sonst ist alles wie immer in der früheren Bäckerei am Schulterblatt, dieselben Kacheln wie seit geschätzten hundert Jahren. Die Ganztagsfrühstücker nehmen die Jazzmusik im Hintergrund kaum noch wahr. Meistens läuft britischer Indierock oder Hamburger Schule. Die Bedienungsdamen legen zur Abwechslung hin und wieder die Best-of-Platte von Paolo Conte auf. Es gibt keinen WLAN-Empfang und nur selten klappt ein schrägfrisierter Ringelpulloverträger seinen mit einem stivollen Apfel verzierten Tischrechner auf. Weiterlesen
Archiv für den Monat Februar 2007
Krise in der Hamburger Schule
Bereits zu Beginn des Jahres versetzte die Nachricht über die Auflösung der Band Blumfeld die Hamburger Musikszene in einen Schockzustand. Wie jetzt bekannt wurde, ist auch das renommierte Indie-Label L’age d’or (LADO) nahezu am Ende. 1988 von Carol von Rautenkranz und Pascal Fuhlbrügge gegründet, beheimatete die kleine hanseatische Plattenfirma zunächst Bands wie Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs und Huah!, die den späteren Größen der sogenannten Hamburger Schule den Weg ebneten. In den 90er Jahren fanden die Bands Die Sterne und Tocotronic mit ihren intelligenten deutschsprachigen Texten schließlich auch bei einem etwas breiteren Publikum Gehör. Weiterlesen
Rentnermaschine bei Schneefall
Da war es wieder, das beharrliche Kratzen auf dem Trottoir, das einen unweigerlich aus dem tiefsten Schlaf reißt. Auch nach Bewilligung der gesetzlichen Altersrente steht der Besitzer des Nebenhauses Tag für Tag noch vor allen anderen Bewohnern der Straße auf, um nachzusehen, ob gefrorener Wasserdampf in sternförmigen Kristallen in fester Form auf die Erde gefallen ist. Aufgrund des fortschreitenden Klimawandels ist dies nur noch selten der Fall. Weiterlesen
Google AdNonsense

Gestern wurde die oben zu sehende Kombination von Anzeigen neben meinem Artikel über die Hamburger Literaturszene eingeblendet. Wen es interessiert, der kann hier nachlesen, wie die Anzeigenvermarktungsmaschinerie AdSense funktioniert. Manchmal können Werbebanner aber auch Geschichten erzählen, wie sie sonst eigentlich nur das Leben schreibt. Nur an der richtigen Reihenfolge muss Google noch etwas arbeiten. Mein Vorschlag wäre:
Erst die Hochzeitsfeier in einer einzigartigen Location mit Dixieland-Musik im Hintergrund. Anschließend geht es auf Hochzeitsreise zu einer einzigartigen Location, wo das Paar den ungezwungenen Luxus ausgiebig genießen kann. Hat man dann genug voneinander, wird die Braut (wahlweise der Bräutigam) mit einem Großkalibergewehr erschossen und als Höhepunkt gibt es eine moderne Bestattung (von mir aus wieder mit Dixieland-Musik).
So schön schließt sich der Kreis.
Plasmafernseherkamin
Was macht eigentlich Robert Hoyzer heute? Ja, genau der bestechliche Ex-Fußballschiedsrichter. Die meisten Menschen werden ihn vergessen haben, seitdem er nicht mehr die Schlagzeilen der großbuchstabigen Tagespresse beherrscht, sondern in seiner Gefängniszelle dahinvegetiert geduldig auf seine bevorstehende Haftstrafe wartet. Wir jedoch, die unsere Freiheit genießen, und dank des wirtschaftlichen Aufschwungs im Lande unverzüglich, nachdem wir unsere Fabriken, Universitäten und aufstrebenden Web 2.0.-Unternehmen verlassen, in Scharen in die demnächst zigarettenrauchbefreiten Cafés, Kneipen, Restaurants, Gaststätten und Autobahnraststätten stürmen, haben diesem jungen Mann einiges zu verdanken. Weiterlesen