Alltagsphilosoph Toni Mahoni singt in Hamburg

Toni Mahoni im Nachtasyl, 01.03.2007
Toni Mahoni im Nachasyl. Leider etwas unterbelichtet. Dies lag
aber nicht am Sänger, sondern an der schwachen Beleuchtung.

In Hamburg gibt es zwei Lokalitäten, in denen selbst Jarvis Cocker mit seiner massiven Brille als rahmenlos durchgehen würde. Das eine ist die von Nachwuchstheaterregisseuren bewohnte Kantine des Deutschen Schauspielhauses, und die weitaus schönere ist das meist mehrheitlich von Nachwuchsfeuilletonjournalisten belagerte Nachtasyl, die Bar des Thalia Theaters. Letztere beherbergte gestern den monatlich stattfindenden Toten Salon. Die Gastgeber Ex-Titanic-Redakteuer Gerhard Henschel und Schriftstellerkollege Rayk Wieland, die in der Vergangenheit bereits illustre Persönlichkeiten wie F. W. Bernstein, Harry Rowohlt oder Heinz Strunk für ihren Salonabend gewinnen konnten, hatten auch dieses mal keine Mühe, den Saal komplett mit interessiertem Publikum zu füllen. Schnell kamen sie zur Sache und lasen gemeinsam ein paar satirische Geschichten, die in ihrer Bissigkeit allesamt weit von einem in der Badewanne liegenden Björn Engholm entfernt, aber dennoch sehr unterhaltsam waren. Star des gestrigen Donnerstags war Toni Mahoni, der durch seine kurzweiligen alltagsphilosophischen Filmbeiträge auf Spreeblick zu Ruhm und Ehre gelangt ist. Nachdem zu launigen Begleitkommentaren der Herren auf dem Podium einige Videohöhepunkte an die Wand projiziert wurden, wurde auch den längst Ergrauten im Publikum die Arbeitsweise des Videobloggers klar und der erste Teil der Veranstaltung war auch schon vorbei.

Eintrittskarte Toter Salon, 03.01.2007

Der Höhepunkt des Abends war jedoch ganz eindeutig die zweite Hälfte. Beschwingt von Zigarettenrauch und gutem norddeutschen Bier präsentierte nun Toni Mahoni die gesamte Bandbreite seines musikalischen Schaffens. Begleitet von seinem charmanten Mitmusiker Pierre Robert (natürlich mit französischem Akzent ausgesprochen) am Klavier ging es an diesem Abend um nicht weniger als alles: Fleisch, Alkohol, Sonne, Zigaretten, Beziehungen und Ausflüge auf das Land. Kein Thema, das nicht jeden Menschen schon einmal bewegt hat, ließ der Alltagsphilosoph unangesprochen. Den Konsum an sich prangert er nicht als böse an, sondern zeigt uns plausibel auf, warum wir, anstatt große Ketten zu unterstützen, lieber die guten Dinge bei unserem lokalen Einzelhändler kaufen sollten (Ketten). Auch ein großes Herz für Tiere hat Toni Mahoni. Wir müssen nicht gleich Vegetarier werden, es ist schon ein tierfreundlicher Schritt, zum biologisch aufgezogenen Schnitzel zu greifen, um unseren Proteinhaushalt auf Vordermann zu bringen (Fleisch). Sogar für die Tauben zeigt er in einem sehr elegischen Chanson – ganz im Gegensatz zu Georg Kreisler, der diese lieber vergiftet sähe – ein großes Herz (Taube). Bei seinem zweiten Liveauftritt überhaupt zeigte sich, dass der Mann dringend raus aus seiner Altbauwohnung mit den stets im Hintergrund zwitschernden Kanarienvögeln in Friedrichshain muss. Als hätte er nie etwas anderes in seinem Leben gemacht, zeigte er sich auf der Bühne äußerst wandlungsfähig. Mal stand der Sänger sich lasziv räkelnd am Mikrophon, mal begleitete er sich am Xylophon, meistens saß er aber ganz bequem und eine Spur zu breitbeinig auf seinem Stuhl – dabei immer ein schnoddriger Spruch auf den Lippen. Die Hamburger Audienz klebte geradzu an seiner Berliner Schnauze und wollte den Künstler auch nach der vierten Zugabe nur äußerst ungern entlassen. Hoffentlich ist er bald wieder da, wo er hingehört – auf den Bühnen dieser Republik.

Übrigens: Weihnachten steht im Prinzip schon wieder vor der Tür und wer es gestern versäumt hat, die wunderbare CD zu erwerben, kann dies hier nachholen. Ich bin übrigens stolzer Besitzer eines signierten Exemplars.

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