Achterbahn

Eigentlich mag ich keine Achterbahnen; dieses schnelle Auf und Ab bekommt mir nicht. Kino jedoch mag ich. Ganz ohne sich Zentrifugalkräften aussetzen zu müssen, kann man sich dort derzeit den Film „Achterbahn“ ansehen.

Regisseur Peter Dörfler zeigt in seinem  Dokumentarfilm das rasante Leben des Schaustellers Norbert Witte. Beginnend an der väterlichen Losbude hat sich der Protagonist im Laufe der Zeit zu einem anerkannten Mitglied der Schaustellergemeinde hochgearbeitet und besaß nach kurzer Zeit mehrere Fahrgeschäfte. Trotz großer Rückschläge – bei einem schweren Unfall mit seiner Achterbahn starben 1981 sieben Menschen – ging es immer weiter bergauf, bis er schließlich Anfang der neunziger Jahre den Vergnügungspark Plänterwald in Berlin-Treptow übernimmt. Wirtschaftlich erweist sich diese Unternehmung nicht als tragfähig, 2001 meldet Witte Insolvenz an. Kurz darauf setzt er sich mit zweistelligen Millionenschulden und einigen Fahrgeschäften nach Peru ab, doch auch hier scheitert er. Seine Frau trennt sich von ihm und kehrt nach Deutschland zurück. Um sich aus seiner finanziellen Misere zu befreien, betätigt er sich als Drogenkurier. Über 160 kg Kokain wollte Witte im Stahlgerüst eines „fliegende Teppichs“ von Peru nach Deutschland schummugeln – und wurde dabei gefasst. Während Norbert Witte im vergangenen Jahr vorzeitig aus der Haft entlassen wurde, sitzt sein von ihm zur Mittäterschaft am Drogenschmuggel angestifteter Sohn noch immer in Peru im Gefängnis.

Peter Dörfler zeigt eine interessante und rasante Lebensgeschichte. Der Film verliert sich jedoch an einigen Stellen zu sehr in Details. Immer wieder gelingt es dem durchaus sympathisch wirkenden, kriminellen Schausteller, der um keine Ausrede verlegen ist, den Zuschauer auf seine Seite zu ziehen. Beachtenswert ist jedoch, dass der Regisseur dieses Bild stets realativiert, indem genauso wiederkehrend auch die Sichtweisen von Zeitzeugen – allen voran Wittes geschiedener Frau Pia – ins Spiel bringt. Menschliches Scheitern wird schonungslos gezeigt, ohne jedoch dabei den Hautpdarsteller bloßzustellen. Lobenswert ist auch die stimmige musikalische Untermalung – insbesondere in der Schlussszene. Insgesamt handelt es sich bei „Achterbahn“ um einen sehenswerten Film, der sich angenehm von dem üblichen Kinoeinerlei abhebt.


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6 Antworten

  • @kid37: Das wäre sicher interessant. Die Reste sollen aber sehr gut bewacht sein – von ehemaligen Mauerschützen. Das dürfte den Zugang erheblich erschweren.

  • Bei der Berlinale läuft übrigens der neue Film von Peter Dörfler, „Big Eden“ (oder so ähnlich), Di-Do. Bin schon gespannt. Habe übrigens gehört, dass „Achterbahn“ nicht sehr erfolgreich war, was die Zuschauerzahlen angeht. Ein Jammer!

    • @Autofous: Das ist schade, aber war irgendwie zu befürchten. Wird Zeit, dass der Film auf ARTE oder 3sat läuft. Berlinale steht bei mir in diesem Jahr gar nicht auf dem Zettel. Leider.

      • Das ist auch schade! Ich war aber auch zu kurz da. Hatte aber zumindest das Glück, den neuen Dörfler Film bei der Premiere zu sehen, in Anwesenheit von Regisseur und dem Porträtierten, Rolf Eden, plus seine aktuelle Freundin, fünf seiner sieben Kinder plus einige der jeweiligen Mütter bzw. Ex-Freundinnen und ein Enkel. Bizarr!
        Der Film ist jedenfalls ganz toll gemacht und sehr unterhaltsam, auch wenn Rolf Eden die ZuschauerInnen (zumindest mich) mit sehr zwiespältigen Gefühlen zurück lässt, erwartungsgemäß… :)

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