Hamburger Realitäten

Irgendwo im Nirgendwo (Hamburg-Finkenwerder)

In Österreich gibt es den Beruf des Realitätenvermittlers. Man geht in seine Sprechstunde und möglichst schonend vermittelt er einem die Realität. Das ist zu schön, um wahr zu sein. Tatsächlich verkauft er einem nur marode Immobilien zu überhöhten Preisen. Die Ernüchterung bei einem genaueren Blick hinter die Fassade ist bei den von ihm vermittelten Immobilien oft genauso groß wie bei der Erkenntnis, dass es sich bei dieser wohlklingenden Berufsbezeichnung um nichts weiter als einen Haus- und Grundstücksmakler handelt.

Bei ganz genauer Betrachtung erkennt man, dass die Realität ein Auge hat. Dort kann man hineinschauen. Dann sieht man Dinge, die man eigentlich gar nicht sehen wollte: z. B. dass der geliebte Mac auch nur ein Computer ist, dass der geliebte Mensch auch nur eine Frau ist, dass der teure Wodka mit dem Grashalm auch nur ein Kartoffelschnaps ist – oder dass das geliebte Hamburg auch nur eine Stadt ist.

Fast mein halbes Leben habe ich nun hier verbracht. Hamburg ist auf den ersten Blick schön: Alster, Elbe, Hafen, Michel, Fernsehturm, Schanze, St. Pauli und noch viel mehr. Nur was soll ich da? Einmal genauer hinsehen, der Realität in ihr matschiges Auge.

Wenn der Tourist von der Alster spricht, dann meint er nicht den Fluss, sondern den aufgestauten See mit kleinen Segelbooten und Schwänen sowie rundherum prachtvolle Villen. Doch der Eindruck trügt. Im Grunde genommen, teilt die Alster die Stadt fast unüberwindbar in zwei Teile. Will man vom Westen in den Osten, so muss man sie mühsam umfahren. Das richtige Leben spielt auf der Westseite; will man ans andere Ufer, muss man Strecken zurücklegen, die einen, obwohl man sich in einer Kleinstadt befindet, an Berlin erinnern lassen. Wenn es heiß ist, dann beginnt das kaum in Bewegung befindliche Wasser in den Seitenarmen der Alster unangenehm zu stinken.

Die Elbe ist schon etwas besser, immerhin führt sie heraus aus Hamburg in die große weite Welt. Spricht der Zugereiste vom „an der Elbe treffen“, so meint er jedoch meist die Strandperle. Die Strandperle ist nichts weiter als ein heruntergekommener Kiosk in der Nähe des  Museumshafens Oevelgönne. Will man hier ein Bier erwerben, ist dies meist nicht nur lauwarm, sondern man muss auch, nachdem man nach Überwindung der langen Warteschlange schon fast dehydriert ist, so viel bezahlen wie woanders für eine ganze Brauerei. Dicht an dicht sitzen an sonnigen Tagen die Elbbesucher rund um die Strandperle herum und zwischen sich vergraben sie ihre noch glühende Grillkohle. Stets läuft man Gefahr, sich die Füße zu verbrennen. Will man die Gegend um die Strandperle herum sicher passieren, so empfiehlt es sich, auf die Menschen zu treten. Sie haben es nicht besser verdient.

Der Hafen, das Tor zur Welt. Industrieromantik bis zum Umfallen, jedenfalls vor der Wirtschaftskrise. Heute findet Handel kaum noch statt. Container samt -schiffe rosten unbenutzt vor sich hin, weil keiner mehr giftige Spielwaren oder leicht entflammbare Textilien aus China importieren will und sich niemand mehr auf der Welt Meisterwerke deutscher Ingenieurskunst leisten kann. Der Hafen dient nur noch als Kulisse für -rundfahrten. Eine Freundin aus dem Schwäbischen bezeichnete ihn ganz treffend als „große Baustelle auf dem Wasser“. Damals wurde zwar noch gebaut, aber ich schüttelte über diese Kategorisierung den Kopf. Heute weiß ich, dass sie Recht hatte.

Michel, Michel, wenn ich das schon höre. Busweise werden Touristen hierher gekarrt, um aus dem Fenster ihres Doppeldeckers einen Blick auf die Hauptkirche St. Michaelis zu erhaschen. Aber was gibt es schon zu sehen; ist das Gebäude doch zumeist mit Baugerüsten umhüllt, auf denen bevorzugt Betreiber von Atomkraftwerken für die Bewahrung der Schöpfung werben. Zwar kann man mit einem Personenaufzug den Turm erklimmen, allerdings ist es oben so vergittert, dass man keine Möglichkeit hat, sich auch herunterzustürzen. Bei Feierlichkeiten anlässlich von Staatsbegräbnissen allerdings macht die Kirche eine mehr als ordentliche Figur.

Telemichel, Telemichel, wenn ich das schon höre. Korrekt heißt der Hamburger Fernsehturm „Heinrich-Hertz-Turm“. Früher gab es dort oben ein Café, in dem man kännchenweise Kaffee trinken und dazu aufgeschäumte Tortenstücke bestellen konnte, während man dabei auf einer Plattform sitzend im Kreis gedreht wurde. Hier oben hatte man einen guten Ausblick auf die Stadt, aber das alles ist Geschichte. Der Turm ist längst nicht mehr für die Öffentlichkeit zugänglich und wird es wahrscheinlich auch nie wieder werden. Im Prinzip könnte man ihn auch abreißen, vermutlich rottet er aber von innen vor sich hin und wird irgendwann von ganz allein umfallen.

Die Schanze war mal so etwas wie ein alternativer Stadtteil. Heute ist sie selbstverständlich in jedem Touristenführer zu finden. Während man auf dem verbreiterten Bürgersteig portugiesischen Milchkaffee aus Gläsern trinkt (auch bekannt als Galão-Strich, offene Koffeinszene), genießt man den Blick auf das besetzte Kulturzentrum gegenüber. Dessen Besetzer zünden einmal im Jahr ein Sofa an und stellen es auf die Straße. Dann kommen mindestens vier Wasserwerfer, löschen den Brand und werden dafür mit Steinen beworfen; unter Zuhilfenahme der übriggebliebenen Steine werden die umliegenden Bankfilialen und Ladenketten entglast. Während alteingesessene Ladeninhaber die Mieten im Viertel nicht mehr bezahlen können, haben sich hier bereits ein Adidas-Laden und McDonald‘s erfolgreich niedergelassen. Bald kommen H&M und Starbucks. Der Stadtteil ist zu einem einzigen Konjunkturprogramm für das Glaserhandwerk und Gentrifizierungsforscher verkommen.

St. Pauli lebt von seinem längst verblasstem Mythos, eine sündige Meile zu sein. Seefahrer haben hier einst ihre Heuer versoffen und sich mit leichten Damen amüsiert. Im Zeitalter der Containerschiffe sind die Liegezeiten im Hafen allerdings so kurz geworden, dass die Seeleute keine Zeit mehr für einen St.-Pauli-Aufenthalt hatten. Mit Blick auf den eingebrochenen Welthandel hätten sie diese zwar wieder, aber wohl kein Geld mehr für millieutypische Vergnügungen. Heute darf man hier nicht einmal mehr Waffen und Glasflaschen bei sich tragen und an der Stelle, wo einst Astra gebraut wurde, findet sich ein zwanzigstöckiges Designhotel. Darüber hinaus wird man in weiten Teilen St. Paulis auf Schritt und Tritt von Videokameras überwacht, die sich bei Gewalttaten schon mehrfach mutig zwischen Angreifer und Opfer geworfen haben sollen. Wer kein Geld für einen Mallorcaflug hat, kann sich hier abends  Wochenende einer gepflegte Ballermannatmosphäre hingeben und tut dies auch.

Und sonst so? Clubsterben, Richter-Schill-Wähler und eine grüne Partei, die vor der Wahl Kohlekraftwerke bekämpft, um sie nach der Wahl zu genehmigen, sowie keine einzige lesbare Tageszeitung. Das einzige, was für die Stadt spricht, ist das wunderbar schlechte Wetter, aber auch das enttäuscht in diesen Tagen.

Ist das noch mein Hamburg, wie ich es lieben gelernt habe? In Hamburg hält mich im Moment nichts – aber nach Berlin zieht mich auch nichts.

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siehe auch: „Hamburg keine Perle“ von Tom Hillenbrand

39 Antworten

  • Das ist Stadtdooffinden auf hohem Niveau. Ich habs da schon einfacherer mit meiner Schnarchstadt hier. Ich hoffe das Licht im Herz brennt bald wieder lichterloh. Egal in welcher Stadt.

  • @Huck das ist hier keine Schnarchstadt! Das verbitte ich mir!
    Bei der Gelegenheit: Herr bosch, versuchen Sie es doch mal mit der Schnarchstadt ;-)

    Allgemeiner Verdruß oder nur das?

  • Du hast in vielem Recht, aber in Deiner Aufzählung hast Du eines vergessen: Die Menschen. Ich wünsche Dir, dass es da ein paar Leute gibt, die „Dein Hamburg“ für Dich lebenswert machen. Ansonsten zeig ich Dir gern noch ein paar Ecken, die auch noch ganz nett sind, z. B. in Finkenwerder ;-)

  • Wie wäre es mit Köln? Da gibt es Wasser, Schiffe, einen Hafen, eine große Kirche, jede Menge Baustellen und nichts zu sehen. Wobei ich persönlich ja eher für das Ruhrgebiet bin. Hier gibt es weder großes Wasser noch Schiffe noch Baustellen oder berühmte Kirchen. Zu sehen gibt es erst recht nichts. Trotzdem bleiben die Leute alle hier. Wahrscheinlich weil sie mal für 59fuffzich eine Kaffeefahrt nach Hamburg gemacht haben.

  • Lieber Bosch!
    Komm einfach nach Erlangen! Unsere schöne Stadt wurde immerhin von Max Goldt besungen!

    Und wohltuenderweise gibt’s hier kaum Bayern (oder Franken wie man hier sagt).

    Liebe Grüße von Micha (Frauenfuss)

  • Ach @bosch. Wenn du wüsstest, wie im Arsch hier in Berlin alles ist. Du würdest sofort hier her ziehen. Berlin glänzt übrigens mit einer enorm hohen Selbstmordrate und überhaupt kann man sich hier super von überall runterstürzen. Der Winter ist hier berühmt/berüchtigt bitter, dunkel und kalt. Besser könnte eine Stadt nicht zu Deiner Stimmung passen. Ach bosch, komm doch nach Berlin.

  • Sind alle Städte im Prinzip nichts anderes, als Wüsten von Steinen, die so kunstvoll aufgeschichtet wurden, dass Sie Höhlen für die Menschheit bieten, die inzwischen so zahlreich ist, dass alle Erdenbewohner gar nicht mehr in die Steinzeithöhlen passen würden?

    Geben Sie sich Zeit! Fassen Sie Mut! Sie werden wieder die Schönheit entdecken. Sie wird sich entfalten, wie ein Schmetterling – auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Verzagen Sie nicht! Das Glück könnte schon bald um die nächste Ecke biegen.

  • lieber bosch,
    lesen sie einmal „nachdem der durch metzingen gegangen war“ von herrn gernhardt:

    Nachdem er durch Metzingen gegangen war

    Dich will ich loben: Häßliches,
    du hast so was Verläßliches.

    Das Schöne schwindet, scheidet, flieht –
    fast tut es weh, wenn man es sieht.

    Wer Schönes anschaut, spürt die Zeit,
    und Zeit meint stets: Bald ist’s soweit.

    Das Schöne gibt uns Grund zur Trauer.
    Das Häßliche erfreut durch Dauer.

  • Warum warten, bis man gezogen wird? Einfach gehen. Um dann festzustellen, ob etwas hätte ziehen kônnen (sprach selbst langjährige HHerin)

  • tscha herr @bosch, ich schätze wir können bei ihnen beginnenden allumfassenden weltschmerz diagnostizieren. sensible menschen nehmen ihre umgebung anders wahr, blicken hinter kulissen und spüren, dass manche veränderung nicht zum guten war, wenn nicht die meisten. diese welt war mal besser, bevor die maximen des konsums und des wachstums ausgerufen wurden. aber, scheisse, wie weit liegt das zurück? so weit lässt sich die zeit partout nicht zurückdrehen. irgendwie müssen wir darauf achten, dass hamburg, berlin und der rest des planeten nicht noch mehr verschandelt werden durch die tentakel des radikalen kapitalismus, so wie stuttgart zum beispiel. hab ich eine lösung? nein. warum bin ich noch nicht weg, woanders? um es mit @stricktier und gernhardt zu sagen: das hässliche erfreut auf dauer. so muss es wohl sein.

  • was du da machst, dass ist trauerarbeit auf höchstem niveau.
    ich hoffe es geht dir bald besser und du bleibst in hamburg.
    es gibt hier auch noch freunde ;-)

  • Ach, der Bosch fühlt sich in Hamburg nicht mehr wohl? Dann soll er sich mal drei Monate Heidelberg geben, oder Frankfurt, oder irgendso ein anderes Süddeutsch-Guantanamo mitten im Nirgendwo. Der Herr jammert wirklich auf hohem Niveau…

  • bosch du wirst alt und das siehst an der stadt, weil nichts mehr neu ist und dich nichts mehr aufregt. das ist normal. wenigstens bist du keiner von diesen unertäglichen positiv denkern. kopf hoch bei obi gibt’s stricke ;-)

  • lieber bosch, ich bin neu hier und entdecke und sauge Hamburg noch auf, neben diesen ganzen touristischen zielen und den genannten veränderungen gibt es vieles mehr und wenn die stimmung passt, ist auch die tristesse wunderbar und nimmt dich mit. die schönheit des verlassenen und verrottenden hat etwas für sich: zeit und raum für träume… ach du schöne melancholie

  • Geehrter Bosch,
    ich denke Sie haben Ottensen samt selbsternannter Mütter-Hysterie und Radfahrer-Terror übergangen, ebenso wie die Großplakatate nicht nur am Michel und die schlechten Englisch-Kenntnisse (Health comes out of Performance) weil Sie es sonst gar nicht mehr ausgehalten hätten..

    Früher selbst leidenschaftliche Hamburgerin und in Ottensen seit Jahrzehnten ansässig, verziehe ich mich immer öfter in die Weiten des Ostens, wo einfach weniger Nerv ist. Da ist kein Geld für diese ganze Nichtstuer-Kaffee-Schlabberei und wenig Anlaß für diese endlose Rumquatscherei…

    Kommen Sie nach OVP!

  • Wieder mal bedrückend schön eingefangen, ich bin (wirklich!) den Tränen nah. Gegen Hamburg-Muffelei hilft jedoch tatsächlich – wie hier schon mehrfach vorgeschlagen – der nur vorübergehende Ortswechsel. Dürfte ich dafür beispielsweise die vor geraumer Zeit besungene graue Stadt am Meer empfehlen? Das wirkt zumindest bei mir Wunder, der ich vergleichbare Grillen heg(t)e.

  • @Jekylla: Ich will nichts überstürzen.
    @Qu: Es tut mir leid das sagen zu müssen, aber früher war wirklich vieles besser. Für den Fernsehturm wäre das Umfallen sicher ein Gewinn, für Planten un Blomen indes weniger.
    @Huck: Die meisten Städte sind wohl noch blöder als Hamburg, aber das hilft mir im Moment auch nicht.
    @Hansjörg: Ja, die Menschen, hach. Positives wäre unter literarischen Gesichtspunkten diesem Text nicht dienlich gewesen. Finkenwerder habe ich bereits ausgiebig erkundet.
    @Ralf: Köln ist überhaupt am schlimmsten.
    @Adele: Vielleicht doch nach Berlin? Wer weiß …
    @Michaela: Danke für das freundliche Angebot, aber ich fürchte, ich muss ablehnen.
    @The Exit: Derzeit bin ich durch mit diesem Ort, eigentlich mit allen Orten.
    @Stricktier: Ja, der Gernhardt hat gut Reden – der hat es alles schließlich hinter sich. Übrigens hat er mir mal freundlicherweise ein Buch signiert – und ein Schwein hineingezeichnet. Ob das mir im Besonderen galt, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.
    @Sissirella: Hängen wäre noch eine Alternative.
    @Josh: Gute Diagnose.
    @Line: Ach ja … Vielleicht ja auch mal wieder die Donnerstagskneipe?
    @Holger: Das Leben ist hart – aber zum Glück nicht von Dauer.
    @Fischer: Heidelberg kenne ich gut genug – dort hielte ich es keine drei Tage aus.
    @westernworld: Guter Tipp, vielleicht suche ich bald mal den Baumarkt meines Vertrauens auf.
    @Gregor Brand: Schön wär’s.
    @Connie: Ja, Ottensen ist natürlich auch ganz furchtbar – aber irgendwie nicht wichtig genug, um überhaupt erwähnt zu werden.
    @SH: Nein, nicht der Norden.
    @_jrg: Durch Deine rosa Brille sähe ich es vielleicht auch so.
    @anwag: Ich will in keiner Autostadt leben.

  • Ach, zieh doch nach Berlin. Dorthin wo Schluffigkeit keine Grenzen kennt und wo alle ihr Scheitern unter dem Deckmantel der Überhipness verstecken können. Da ziehen doch alle hin, die es sonst zu nichts bringen würden. Wie langweilig… Alle ziehen nach Berlin, nur warum weiß keiner.

  • Münster könnte eine Alternative sein. Klein, provinziell, wunderbare Universität, furchtbares Theater, schönes Umland, häßliches Arbeitsamt.
    Oder einfach irgendeine Wüste; die werden ja immer geräumiger.

  • Fahren Sie mal rum um die Alster. Ich wohne ja nicht ohne Grund im Hamburger Osten. Kein Firlefanz, alles schön No-nonsense wie ein Zen-Garten. Und wenn man dann nach St. Pauli fährt, kann man es vor Aufregung kaum aushalten.

  • Ich glaube, ich kann gut verstehen, was Du meinst. Wenn man Dinge wahrnimmt, wie Du sie im Beitrag beschreibst, dann ist es vielleicht wirklich an der Zeit, was zu verändern. Ich befinde mich selber gerade in einer ähnlichen Gefühlslage, wenn auch nicht in Bezug auf eine Stadt bzw. einen LebensRaum. Was kommt für Dich nach Hamburg? Ist es Berlin? Oder steht Berlin nicht einfach für einen Neuanfang, der eventuell mit einer Stadt gar nichts zu tun hat? Stell Dir vor, Du würdest Hamburg verlassen, würdest woanders ankommen und würdest irritiert feststellen, dass sich an diesem Gefühl der inneren Unruhe gar nichts verändert hat. Das wäre sicher fatal. Schon deshalb finde ich gut, dass Du Dir Zeit lassen willst beim Suchen nach einer neuen alten Heimat, die zuerst einmal gefunden werden will. Jemand schrieb in den Kommentaren vom Osten und auch, wenn der Kommentar eher ironisch daher kam, nehme ich selber auch immer wieder neu wahr, dass „der Osten“ zwar schon lange nicht mehr wild ist, dass man aber in vielen Städten ein anderes Lebensgefühl spürt. Was nun Berlin angeht, so ist das immer noch und immer wieder neu eine tolle Stadt. Andererseits werden dort viele Micro-Szenen offenbar eindeutig von zugezogenen Westlern geprägt. Sie haben (leider) Berlin an vielen Stellen zu dem gemacht, was sie sich unter Berlin (_mit Licht anstrahl_) vorstellen. Berlin ist rauh und spröde genug, um immer noch sehr lebendig zu wirken. aber wäre Berlin also wirklich der Ort, der Deinen Hunger nach Neuem, den ich zwischen den Zeilen zu spüren glaube, nachhaltig stillen könnte?

    Soo, nun aber genug von diesen ziemlich unerträglichen KaffeesatzLesereien eines Möchte-Gern-Freizeitpsychologen ;). Ich will Dir nicht was nahelegen, was da gar nicht ist. Vielleicht treiben Dich ja vollkommen andere Gedanken und Gefühle an. Ich wünsche Dir, dass Du möglichst bald Antworten findest, die Dich nachhaltig zufrieden(er) machen und die Dich vor allem innerlich zur Ruhe kommen lassen.

  • Also ob Berlin oder Hamburg oder sonst irgendeine Stadt, im Grunde sind sie alle nur so schön, wie man sie sich selbst macht. Habe selbst schon in den verschlafensten Nestern mehr Lebensqualität entdecken können als in irgendeinem angesagten Szeneviertel. Es kommt doch hauptsächlich auf die Menschen an, mit denen man sich umgibt. Was an Hamburg nun sonderlich schlimm sein soll, will mir nicht einleuchten. Von der Substanz her, ist es dort immernoch wesentlich schöner, als in vielen anderen Städten, vor allem Hafenstädten.

  • Jawohl, mangels Alternativen ist Hamburg doch immer noch die Schönste.

    Vergessen hast Du allerdings die vielbesungene „neue Schanze“: Wilhelmsburg und die Veddel. Obwohl – ich kann mich immer noch nicht aufraffen nach Bayern zu fahren, um mir das mal zu Gemüte zu führen…

  • Jup, wie einer meiner Vorredner schon sagte: Stadtdooffinden auf hohem Niveau. Aber ganz ehrlich: Nach drei Jahren Eppelheim (Ba-Wü) würd ich sogar in ne WG mit Schill ziehen, um nach Haus zurückzukommen.

    Woanders ist’s auch Scheiße.

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