Freunde werden, sein und bleiben auf Facebook

Wenn es um Datenschutz, Allgemeine Geschäftsbedingungen oder die Vereinnahmung des gesamten weltweiten Netzes durch die Einführung von „Mag-ich-Knöpfen“ geht, ist das Fratzenbuch stets für einen Aufreger gut. Das ist nicht mein Thema.

Obwohl ich Web2.0-Diensten grundsätzlich offen gegenüber stehe, habe ich Facebook erst relativ spät für mich entdeckt. Seit etwa einem Jahr nutze ich es mehr oder weniger intensiv: Im Gegensatz zu XING versammeln sich hier überwiegend Kontakte privaterer Natur; zudem treffen hier zwei Welten aufeinander. Während bei Twitter nach wie vor eine überwiegend netzaffinere Runde gesellig miteinander zwitschert, hält mich das Gesichtsbuch auch über das Leben meiner Offlinefreunde auf dem Laufenden. Für sie scheint die Hemmschwelle, den Freundeskreis via Statusmeldung über aktuelle Ereignisse ihrem Leben zu informieren oder ein Bild zu veröffentlichen, kleiner zu sein, als zu bloggen, zu twittern oder ein Foto bei Flickr hochzuladen. Mittels Druck auf einen Button kann man ohne großen Aufwand Anteil am Leben seiner Freunde nehmen, in Facebook-Nachrichten im Hintergrund sind schnell ein paar persönlichere Zeilen, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind, verfasst. Eine E-Mail zu schreiben wirkt dagegen fast so anachronistisch wie eine Postkutsche auf den Weg zu bringen. All das mag ich.

Was mich an Facebook indes zunehmend nervt, sind Kontaktanfragen folgender Art:

Kommentarlose Kontaktanfragen von Personen, die ich überhaupt nicht zuordnen kann. Ich gebe zu, ich habe ein eher schlechtes Namens- und Gesichtergedächtnis. Deshalb grüble ich oft und lange, woher ich diesen Menschen, der soeben im sozialen Netzwerk mein Freund werden wollte, kennen könnte. Doch zumeist will mir auch nach längerem Nachdenken nichts einfallen. Manchmal klicke ich einfach auf „ignorieren“, manchmal – wenn ich gut gelaunt bin – frage ich einfach nach: „Woher könnten wir uns kennen?“ Die ernüchternde Antwort ist oft: „Wir kennen uns nicht, aber wir haben 37 gemeinsame Freunde.“ Aha.

In selteneren Fällen jedoch habe ich tatsächlich schon einmal ein paar Worte mit dem Anfragenden gewechselt oder wir sind uns irgendwo in den Weiten des Netzes begegnet. In diesen Fällen stimme ich dem Kontaktwunsch grundsätzlich gern zu, halte es aber für eine wünschenswerte Geste, mir mit ein paar Worten auf die Sprünge zu helfen. Man kann Kontaktanfragen nämlich auch mit einem Begleittext wie „Hallo bosch, wir haben letztes Jahr auf der Geburtstagsparty von Erna Müller miteinander geknutscht …“ versehen. Ich weiß dann vielleicht, um wen es sich bei der anfragenden Person handelt, und erspare ihr lästige Rückfragen oder einen unberechtigten Korb.

Schwachsinnige Kontaktanfragen nehmen ebenfalls stark zu. Hier ein Beispiel:

„Betreff: Willst du nicht im der [Nachname einsetzen] Facebook … sein :-)
Ich bin Ingo [Nachname einsetzen] und suche [Nachname einsetzen] für meine [Nachname einsetzen] Comunity :-)
Sei doch dabei! Aufnahme Bedinnung ist heiße [Nachname einsetzen] ;-) nur [Nachname einsetzen] hat Zutritt :-)“

Nein, das will ich nicht. Ich will mich genau so wenig mit Leuten vernetzen, die zufällig denselben Nachnamen tragen wie ich, wie ich mich mit Besitzern von Kühlschränken, Liebhabern von Gurkensalat oder Leuten ohne Weisheitszähnen vernetzen möchte. Zumindest nicht ausschließlich aus diesem Grunde.

Anfragen von Kontaktsammlern erfreuen mich ebenfalls wenig. Kontaktanfragen lauten gern so: „Bei 53 gemeinsamen Freunden sollten wir uns auch vernetzen, oder?“ Ich frage daraufhin: „Warum?“ und erhalte als Antwort „Warum nicht?“ Das ist an sich ganz einfach zu beantworten: Ich will nicht, dass mein ganzer Facebook-Stream von Statusmeldung mir unbekannter Menschen zugemüllt wird. Außerdem möchte ich die für meinen Freundeskreis bestimmten Statusmeldungen, Bilder und Links nicht mit mir unbekannten Menschen teilen (ja, ich weiß, man kann die Privatsphäreeinstellungen so vornehmen, dass nicht alle Kontakte alle Informationen erhalten, aber darum geht es hier nicht).

Auch offensichtlicher Kontaktspam ist eine unschöne Sache. Ich lehne es ab, wenn sich Spirituosenhersteller, Ortsverbände fragwürdiger politischer Parteien oder Evangelische Redaktionen als natürliche Personen anmelden, und plötzlich mein Freund werden wollen. Dafür gibt es Gruppen oder Unternehmensseiten. Von Unternehmen muss man neuerdings nicht einmal ein Fan werden, sondern darf sie einfach mögen. Muss es aber nicht.

Um es auf den Punkt zu bringen: Bleibt locker, seid freundlich. Genau wie es man es im richtigen Leben auch von Euch erwarten würde. Dann klappt es auch im Netz. Vielen Dank.

Hausmitteilung: Berlin – Twitterlesung und Podcast

BOSCH

„Bloggen ist wieder total im Kommen“, höre ich jetzt immer häufiger. Allerdings ist an dieser Stelle nur wenig davon zu bemerken. Mein Schreibfluss dümpelt wie eh und jeh vor sich hin. Stattdessen einfach zwei Ankündigungen:

  • Am Mittwoch, den 14. April 2010 findet um 20.30 Uhr im Friedrichstadtpalast, Berlin, eine Twitterlesung auf der größten Theaterbühne der Welt statt. Zusammen mit @PickiHH, @HappySchnitzel, @marthadear, @mspro, @baranek und @saschalobo werde ich lesen, lesen, lesen. Kommt alle! Details: hier.

und

  • „Podcasting ist tot“, höre ich fast noch häufiger. Ich bin angetreten, den Gegenbeweis zu erbringen. Neuerdings podcaste ich nicht nur mit Sven und Stefan auf hamburger-zum-mittag.de, sondern versuche nun auch, die Hauptstadt zu unterwandern. Zusammen mit Mathias Richel habe ich einen neuen Podcast gestartet: „Das Wort zum Sonntag“ kann man hier anhören. Und falls wir Spaß, Lust und Zeit haben, wiederholen wir das Ganze auch – natürlich mit anderen Themen (vorausgesetzt, wir finden welche). Dann gibt es vielleicht irgendwann sogar einen richtigen Podcast-Feed.

Nun soll noch mal jemand behaupten, es passiere nichts.

Bäcker

Hacker

„Hacki, unser Bäcker,
bei dem schmeckt’s immer lecker.“
(Schrippentütendichtung der Bäckerei Hacker, Berlin)

Mit dem Fall der Mauer kam nicht nur Coca-Cola, Reisefreiheit und Volkswagen in den Osten der Republik, sondern auch die Luft in die Brötchen. Brötchen heißen hier natürlich Schrippen – und Croissants heißen Butterhörnchen.

Ein Freund erzählte mir einst, wie seine Familie – noch zu Zeiten der Mauer – ostdeutsche Brötchen in einem Kopfkissenbezug in den Westen geschmuggelt habe, weil die backtriebmittelfreie Schrippen sehr viel köstlicher waren als die aufgeplusterten Luftbrötchen aus dem Westen. An den frischen Backwaren der Bäckerei Hacker im Prenzlauer Berg hätte er sicher auch heute noch seine Freude.

Die Damen hinter der Theke sprechen mit Berliner Dialekt und tragen eine Kittelschürze. Der Laden sieht aus, als hätte sich hier zwanzig Jahre nichts getan, und es duftet einen Duft, von dem mit Backshops groß gewordene Generationen nichts ahnen. Ein echter Handwerksbäcker, wie er nur noch selten zu finden ist.

Wer die Gelegenheit hat, in die Stargarder Straße zu kommen, sollte in hier unbedingt die Splitterbrötchen aus süßlichem Hefeteig probieren – die kosten nur 40 Cent und brauchen sich hinter keinem Franzbrötchen zu verstecken.

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Bäcker Hacker auf morgenpost.de.