Warenwelten #9: Schrotbrot

Manchmal braucht es nicht viel, um mich als Kunden ein bißchen glücklicher zu machen. Bei den regelmäßigen Einkäufen bei meinem neuen Lieblingsbäcker Hacker in der Stargarder Straße pflege ich wochentags eine kleine Auswahl an köstlichen Brötchen zu erwerben: „Einen Schusterjungen, ein Vollkorn, eine Schrippe – und ein Mohn“, bestelle ich voller Vorfreude auf die sich stets anschließende Frage „Brötchen oder Hörnchen?“ In einer Welt voller Shitstorms an allen Ecken und Enden sind es doch immer wieder die kleinen Dinge, an denen es sich zu erfreuen gilt – und sei es, nur an der immer wiederkehrenden Rückfrage der Bäckersfrau, die etwas Verlässlichkeit in die sich immer schneller zu drehen scheinende Welt bringt.

Heute beförderte mich eine Abweichung von meinem gewohnten Kaufverhalten in die Riege der Stammkundschaft: Ich bestellte statt des liebgewonnenen Brötchensortiments ein Schrotbrot – schließlich hat der Bäcker sonntags geschlossen und ich muss über das Wochenende mit Backwaren versorgt sein. Ob dieser ungewohnten Order fiel der Dame hinter der Theke die kleine Brötchentüte mit dem Aufdruck „Hacki unser Bäcker, bei dem schmeckt’s immer lecker“ aus der Hand und sprach verwundert: „Na, da staun ick aba …“ Wer um die Spröde der Berliner Bäckereifachverkäuferinnen weiß, der ahnt, dass diese Worte einem Ritterschlag gleichkommen.

Wochentags bevorzuge ich übrigens Mohnbrötchen.

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