Alles immer flacher und in 3D

Internationale Funkausstellung Berlin, ich streife über das endlose Messegelände. Die Besucher reißen sich um überdimensionierte Tragetaschen der Aussteller, in denen sich zumeist nichts weiter befindet als ein Handzettel in der Größe DIN A5 und ein Werbekugelschreiber. Beutelratten. Die Currywurst kostet 5 Euro und schmeckt nach Glutamat. Das Schlimmste an Messen ist die Verpflegung. Es sei denn, man hat einen Presse- oder Fachbesucherausweis. Dann darf man schon mal bei einem Hersteller minderwertiger Plastikhardware backstage eine Brezel essen und ein Weizenbier auf’s Haus genießen. Dafür muss man aber nicht nur seine Daten am Empfangsschalter hinterlassen, sondern auch an einer Produktpräsentation teilnehmen. Ich bin im Besitz eines dafür erforderlichen Ausweises, lasse mir aber ungern stundenlang die Vorzüge einer neuen Telefonhülle erklären und so schlimm ist die überteuerte Currywurst nun auch wieder nicht.

Wohin man blickt: Weißwaren. Die meisten von ihnen sind ganz gewöhnliche Waschmaschinen oder Kühlschränke – nicht einmal  über WLAN verfügen sie. Des weiteren liegen Fernseher im Trend: wie jedes Jahr werden sie immer flacher (genau wie das Programm, das sie zeigen) und jetzt können sie sogar 3D. An einem Stand für Televisionsgeräte tanzen magere Modelle ungelenke Tänze. Dabei werden sie gefilmt und das Livebild wird auf einen dieser modernen Fernseher übertragen. Messebesucher stehen davor und tragen alberne Brillen während sie in die Geräte starren und klagen über Kopfschmerzen. Wenn es nach den Ausstellern ginge, wird es bald nur noch 3D-Bilder geben. Also genau wie vor der Erfindung des Fernsehens, nur mit Kopfschmerzen.

Eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt belegt eine eigene, sehr große Halle. Beim Betreten spürt man sofort, wie hier Rundfunkgebühren verpuffen. Hinter einem langen Tisch sitzen drei Junge Menschen, die Autogramme geben. In unregelmäßigen Abständen umarmen sie sich und lächeln in ein Blitzlichtgewitter. Sie sind beliebter als die übergroße Sendung-mit-der-Maus-Maus, die niemand fotografieren will. Vermutlich sind sie sogar ein bißchen bekannt – aus Film, Funk und Fernsehen, wie man früher so schön sagte. Ich kenne sie nicht.

6 Antworten

    • @Markus: Das mit Sicherheit, bin aber durch die Weißwarenabteilung noch schneller als durch den Rest gerast. Was Kühlschränke und Waschmaschinen auf einer Funkausstellung sollen, hat sich mir nicht erschlossen. Die IFA stellt doch auch keine Windmühlen aus, die Cebit keine Bobbycars und die Hanseboot keine Kugelschreiber. Aber irgendwie muss man die Hallen ja füllen – und irgendwann kommt auch der vernetzte Haushalt.

  • Ich glaube mittlerweile kann man sich solche Messebesuche sparen. Es ist nicht mehr so, dass man etwas Neues entdecken kann, sondern dass man mit neuen Produkten, Innovationen, Superlativen nur so überschüttet wird. Das macht es schwer das Gute vom Schlechten zu unterscheiden. Aber auch die Hersteller und Aussteller haben es immer schwerer, schließlich möchten sie das PRODUKT launchen, welches uns Konsumenten im wahrsten Sinne des Wortes umhaut. Dabei setzen sie imme rneue Maßstäbe und schießen so auch mal über das Ziel hinaus.

  • Die Eingangshalle ist eigentlich genau gleich. Falls jemand Lust hat, kann er auch meine Eindrücke zur diesjährigen IFA lesen:
    tobiasblogt.wordpress.com/2011/09/08/ifa-eindrucke/

    Viel Spaß

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