Lokaljournalismus

Man sagt ja gern, dass die Zukunft des Journalismus im Lokalen liege. Diese Meinung stammt vermutlich von Medienbeobachtern aus Berlin oder Hamburg, die es plagt, dass in ihren sogenannten Medienstädten keine renommierte überregionale Tageszeitung erscheint. Wer allerdings einmal einen Blick in ein Provinzblatt wie der Norddeutschen Rundschau geworfen hat, der wünschte sich nichts sehnlicher als dessen verdienten Untergang und zöge fortan ein paar lieblos umformulierte Agenturmeldungen auf den großen Nachrichtenseiten im Internet vor. Der Untergang ist nicht mehr aufzuhalten, niemand wird die fehlende Berichterstattung über versuchte Eierdiebstähle vermissen.

7 Antworten

  • Eine Gratwanderung. Einerseits sind die zumeist völlig unterbesetzten Lokalredaktionen gezwungen, jeden Tag ein paar Seiten zu füllen. Als Freier kenne ich die Situation. Da wird dankbar zu den Polizeiberichten gegriffen, und den Redakteuren ist die zweifelhafte Qualität dieser Meldungen durchaus bewusst. Und man stumpft auch ab im Laufe der Zeit. Aber ich habe auch einen aktuellen Fall, den ich hier darlegen will: Da gab es in der Heimatstadt am Rosenmontag Ausschreitungen nach dem Umzug, besoffene Massen gegen übermotivierte Bereitschaftspolizeischüler. Die Situation eskalierte, und die die Redaktion war nur ein paar Schritte vom Geschehen entfernt, wurde informiert und ging eben NICHT hin (Feigheit, Desinteresse, Faulheit….you name it). Berichtet wurde nur in Form des schon angesprochenen Polizeiberichts, zwei Tage später und natürlich nur aus Sicht der Polizei, ohne eigene Recherche. Und das lässt mich dann auch wieder an der Berufsehre mancher Kollegen zweifeln. Der nächste Karnickelzüchterpokalinhaber wird natürlich wieder auf Seite eins gehievt.

    • @Weise Sicht: Aber es ist doch nicht so, dass nichts passiert, was die Leute interessieren könnte. Das ganze, mir vorliegende Provinzblatt, ist in den Marginalienspalten voller Nullmeldungen, während Dinge, die auch Lokaler ebene von Bedeutung wären, einfach nur ganz oberflächlich abgehandelt werden. Wenn es der Zeitung nicht möglich ist, irgendwelche Kommunalen Haushaltsdinge verständlich aufzubereiten (ich denke von mir, ein eher besser informierter Mensch zu sein), so dass man es im Ansatz verstehen kann, was passiert, anstatt das vom Kämmerer Vorgekaute einfach 1:1 zu übernehmen, dann haben diese „Journalisten“ ihren Beruf verfehlt. Was in der Norddeutschen Rundschau geleistet wird, das reicht nicht einmal für eine mittelmäßige PR-Bude am Rande der Stadt. Die Frage ist, ob man es dann lieber eingestellt hätte als so. Die Antwort ist: die Demographie wird das lösen. Wenn erst der letzte Abonnent dahingeschieden ist, wird das Blatt ohnehin eingestellt werde müssen.

  • Wahrscheinlich sind in manchen Gegenden die Leute schon froh, das überhaupt etwas passiert. Da kommt jede Meldung, auch die aus dem Polizeiticker gerade recht. Und eine fehlende Kaffeemaschine macht sich allemal besser als ein leere, weiser Fleck an dieser Stelle…

    • Ich würde das nicht als „froh sein“ bezeichnen. Es gibt Leser, die wollen und brauchen diese Meldungen – einfach um das Gefühl zu haben, auf dem laufenden zu bleiben.

      Die „große“ Politik interessiert die weniger. Lokales, und sei es noch so banal, ist viel wichtiger.

  • Immerhin sind die tagesaktuellen Schweinepreise schon verschwunden. Und ein fünf Meter langes Fallrohr Kupfer kostet immerhin ja schon ein paar hundert Euro, sowas kann man schonmal vermelden, glaube ich. Zumal sich vielleicht irgendwer wundern mag, wieso die Regenrinne nicht mehr da ist, die einem vorher nie aufgefallen war, wobei – nur ein Teil davon fehlt. Bei allem: Nichtigkeit richtig beobachtet. Die Crux des Lückenstopfens in vorgespiegelten Seiten, wenn es an vergleichsweise Relevanterem fehlt, das auf ähnlich wenig Platz gepasst hätte, gepaart mit abgestumpften Seelen, die dort hineinhebeln, was nicht bei drei aufm Baum ist, egal, was.

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