Zwei kurze Notizen zur Sprache

1. Englisch

Seit Kurzem haben ich eine Vorliebe für amerikanische TV-Serien entwickelt. Viele von ihnen sind erstaunlich gut, sowohl was die Geschichten als auch ihre Umsetzung betrifft. Derzeit schaue ich In Treatment. Ich sehe die Sendungen im englischsprachigen Original ohne Untertitel. Obwohl mein Englisch mehr als nur leicht angerostet ist, verstehe ich so ziemlich alles.

Wenn ich hingegen auf Englisch in ein Gespräch verwickelt werde, stammle ich. Nicht nur, dass mir häufig die passenden Worte fehlen, ich bin zudem recht gehemmt. (Ein paar Gläser Bier sind manchmal hilfreich dagegen.)

Unterschiedliche Gehirnareale sind für das Sprechen und Verstehen verantwortlich, so dass ich zwar ohne große Mühe den größten Teill verstehen, aber relativ wenig sagen (und auch schreiben) kann.

Ich denke darüber nach, ob sich dies in meiner Muttersprache Deutsch möglicherweise genau so verhält.

 

2. Beziehungscode

Finden zwei Menschen größeres Gefallen aneinander, so entwickeln sie häufig einen eigenen Code. Sprachliche Eigenheiten, ungewöhnliche Wörter oder ganze Wendungen fließen ohne explizite Vereinbarung in ihre Konversation ein. Für Außenstehende ist dies in der Regel nicht verständlich oder gar lächerlich.

Einzig eingeweiht in diesen Code ist das eigene Mobiltelefon. Dieses beinhaltet Unterstützungen zur Rechtschreibkorrektür, die in der Lage ist, solche Eigenheiten zu erlernen.

Im Laufe der Zeit verstummt der Gebrauch dieses Codes jedoch wieder. Nur das eigene Handy erinnert einen dann noch an den Sprachgebrauch längst vergangener Zeiten. Dann beginnt man mit einem Umerziehungsprozess, der das Telefon wieder an die Normalsprache gewöhnt. Dies weckt Erinnerungen und ist zudem etwas mühsam.

Bundesjugendspiele

Es begab sich zu einer Zeit, in der Ehrenurkunden der Bundesjugendspiele, die das Faksimile der Unterschrift des Bundespräsidenten tragen, noch zu Beginn einer Amtszeit für mehrere Jahre im Voraus gedruckt werden konnten. Der Mitschüler, den wir alle Dose nannten, weil er Dose hieß, wurde wegen eines Tadels mit dem Ausschluß von den Bundesjugendspielen belohnt. Um die Belohnung nicht zu groß werden zu lassen, entschied sich die Schulleitung, Dose zu Schiedsrichtertätigkeiten heranzuziehen: Er sollte beim Werfen, Laufen und Springen die Weiten, Zeiten und Höhen messen. Beim Festhalten der Ergebnisse rundete Dose allerdings so großzügig, dass plötzlich alle Teilnehmer begannen, von den Olympischen Spielen zu träumen. Dose erhielt daraufhin eine weitere schriftliche Missbilligung und wurde auch von seinen Schiedsrichterpflichten entbunden. Für mich und meine Klassenkameraden war Dose an diesem Sommertag der Gewinner der Herzen.