Geburtsurkunde

Nachdem sie nun schon einige Jahre mit ihrem Freund zusammengelebt hatte, bat sie ihren Vater um die Aushändigung ihrer Geburtsurkunde. Dieser dachte, was Väter in diesen Momenten zu denken pflegen. Obwohl es nicht seine Art war, sich zu freuen, freute er sich ein bißchen. Als sie ihre Geburtsurkunde in den Händen hielt, ging sie damit spornstreichs zum Amt und trat aus der Kirche aus. (Dass sie das mühsam beschaffte Dokument für diesen Verwaltungsakt gar nicht benötigte, wusste sie nicht.) Die ersparte Kirchensteuer konnte sie gut gebrauchen, denn am darauffolgenden Tag bezog sie ihre eigene Ein-Zimmer-Wohnung in einem Szeneviertel der Stadt.

4 Antworten

  • gut so. in der verfassung ist schliesslich die trennung von staat und kirche vereinbart. niemand sollte also gezwungen sein, die kirche mit steuern zu unterstuetzen, und dem staat auch noch zuzustehen, diese einzutreiben und somit der verfassung zuwider zu handeln. hoffentlich wird sie gluecklich in ihrem appartement.

    • Es wäre wirklich gut so, nur ist es leider nicht richtig. Wer keine Kirchensteuer mehr zahlt, unterstützt zwar die Kirche nicht mehr direkt, aber an unseren weiteren direkten und indirekten Steuern wird die Kirche noch durch staatliche Zuschüsse massiv beteiligt. Ein erheblicher Teil der Personalkosten für den Klerus, aber auch „kirchliche“ Einrichtungen wie konfessionelle Kindergärten und Schulen werden zum großen Teil vom Staat finanziert. Deshalb müssen die ja auch Kinder von anderen Glaubensrichtungen aufnehmen, sonst gingen ihnen ja die Einnahmen flöten…

      Es bleibt aber trotzdem ein Skandal, dass solche Institutionen von uns Nicht-Mitgliedern weiterhin mitfinanziert werden müssen, damit die ihr „christliches“ Werk mit – auch – „heidnischem“ Geld führen können…

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