Myll, 14. August 2012

1055. Bernd schreibt SMS aus dem Café. Eine bildhübsche Frau lese gerade mein Twitterbuch, ich solle schnell kommen. Schlafe aber noch halb und wenn ich mich richtig erinnere, hat dieses Buch nie einen Groupie gebracht.

1201. Freundin fragt, ob ich jemanden für irgendwas empfehlen kann. Eine Podiumsdiskussion zu Thema XY. Empfehle guten Gewissens Ex-Freundin, trotz allem. Sie kann das sicher wunderbar.

1247. Gemeinsames Lesen am offenen Fenster, sie Max Frischs „Stiller“, ich Rainald Goetz‘ „Abfall für alle“, noch immer. Habe Stiller zwei Mal angefangen, zwei Mal abgebrochen. „Ich bin nicht Stiller!“ Lag vermutlich an mir, werde dem Buch eine dritte Chance geben, falls genug Zeit bleibt.

Kurz an das wunderbare Interview mit Paul Nizon aus dem SZ Magazin von vor einigen Monaten gedacht; er über Ingeborg Bachmann und Frisch: „Sie war keine Schönheit, sondern wirkte eher wie ein kräftiges, robustes Bauernkind. Andererseits hatte sie diesen merkwürdig verhangenen Blick und konnte bei Lesungen ausfallen vor Sensibilität und Schwäche. Ich hatte schon damals den Verdacht, dass sie viel interessanter ist als Frisch. Den Schriftsteller Frisch fand ich nicht überwältigend. Stilistisch und dramaturgisch konnte er schon was, aber dieses Gantenbein-Gewäsch mochte ich nicht. Da ist er auf manchen Seiten ein moralisierender Ratgeberonkel.“

Robuste Bauernkinder sind nicht die Schlechtesten. Milchkaffee aus der Thermoskanne. Kein Third-Wave-Kwatsch. Schmeckt trotzdem.

Mein gesamtes Abfall-Buch ist voller Lesezeichen, die ständig herausfallen. Muss mir einen Bleistift kaufen, bevor ich davon noch so verrückt werde wie Rainald Goetz, der in Gedanken von der Beerdigung Ernst Jüngers einen Sprung zu Falco macht. Vielleicht wird man so, wenn man ständig Postkarten von Frau Radieschen, die einen Dachschaden hat, bekommt.

1402. Ich gehe ins Café. Die bildhübsche Twitterbuchleserin ist naturgemäß bereits verschwunden. Mache mir einen Espresso, muss aber feststellen dass der Behälter für den Kaffeesatz nicht an seinem Platz ist. Allergrößte Verzweiflung, stehe hilflos mit dem Siebträger in der Hand mitten im Café. Nehme beim Gehen Bernds FAZ mit.

1458. Traumberuf FAZ Technik-und-Motor-Redakteur. Dann könnte ich den ganzen Tag mit Bentleys durch die Gegend fahren und Reinigungsroboter für Swimmingpools testen. Toll.

1521. Pläne für neues Sachbuch: „Generation GenerationsbuchautorIn“. Auszug aus dem Klappentext: „Wir 20-30 Jährigen kommen gar nicht mehr dazu zu leben, weil wir ständig damit beschäftigt sind, das Verhalten unserer Altersgenossen in neue Generationsbücher zu verpacken. Anschließend touren wir durch die allabendlichen Talkshows der Republik und verkaufen die Mär vom X, dem Golf, dem Internet oder dem Schmerzensmann. Dabei wollen wir eigentlich nur eines sein: die Generation Generation.“

1528. Finde Kuhbonbon in der Hosentasche. Das ist nicht schön bei diesen sommerlichen Temperaturen.

3 Antworten

  • Seltsam. Ich hätte schwören können, dass ihr 20-30-Jährigen euer Leben mit dem Internet verschwendet. Mit Mobil-Blogging, Smartphones, Konferenzen, Kommentaren und Tweets und all den ganzen kompletten Unsinn. Schade. Wäre nämlich vermutlich noch erfolgreicher als das Thema „Generation Generation.“

  • Im Prinzip könnte man sagen, wir 20- bis 30-Jährigen verwendeten unser Leben fürs Kaffeetrinken (ggf. mit einem digitalen Endgerät in Entfernung einer Armlänge), nur gibt es bei uns 20- bis 30-Jährigen noch nichtmal ein Wir.

  • Die leidige Indentitätsfindung…….wen interessiert’s! Doch sagen wir es so: Je älter man wird desto besser wird Beethoven.
    Was für Beethoven gilt könnte sich (mit der Zeit) auf Max Frisch übertragen.

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