Neujahrsspaziergang 2018

Hamburg-Billstedt Hamburg-Billstedt Hamburg-Billstedt Hamburg-Billstedt Hamburg-Horn

Als ob es etwas zu Feiern gäbe, nur weil man ein Kalenderblatt umlegt. Die Nachbarschaft jedenfalls neigt zum Knallkörper, weshalb einem schon früh am Silvestertag das Öffnen der Fenster unmöglich gemacht wird. Daher am Neujahrstag hinaus, etwas Luft schöpfen. Auch wenn jetzt 18 ist, hat sich doch kaum etwas verändert da draußen. Und morgen geht alles wieder von vorne los.

Biertankstelle – Ein Nachruf

Zwei Wochen war ich nich mehr dort. Dann plötzlich, am hellichten Tage eine Kette vor der Einfahrt, ein Schild an der Tür. Die geschätze Biertankstelle hat ihren Geschäftsbetrieb eingestellt. Zugegeben, ich war kein besonders guter Kunde. Manchmal habe ich nur zwei Flaschen Sprudel gekauft und gelegentlich ein paar Flaschen Bier. Nun fühle ich mich schlecht, weil der Gegenwert meiner abgegebenen Pfandflaschen manchmal höher war als der Umsatz meiner Einkäufe.

Ich schätze das Angebot immer sehr. Besonders, dass sie Schneider Weisse führten. Das ist selten im Norden. Tap 7 – Mein Original hat mir durch den Sommer geholfen, der Eisbock durch den Winter. Mehr braucht man als Biertrinker eigentlich nicht. Das werde ich vermissen. Genau wie die immer etwas brummeligen Herren an der Kasse, die manchmal ganz pragmatisch abrundeten, wenn sie keine Lust hatten, zu viele Kupfermünzen entgegenzunehmen. Und ihren sonor schnarchenden Hund hinter dem Tresen, den man niemals sah, aber immer hörte.

Nicht einmal die stets freundlich grüßenden Alkis, die immer vor der Tür ihr Bier tranken, konnten den Ladenbetrieb retten. Dabei machte jeder von ihnen wohl am Tag mehr Umsatz als ich in einer ganzen Woche. Zwei Jahre nun, seitdem ich in der Nähe wohne, war ich hier Stammkunde. Aber ich hätte viel mehr trinken müssen. Der Biershop Horn liefert künftig nur noch aus. Vielleicht bestelle ich mal einen Kasten – oder zwei. Bis dahin sage ich: Tschüss, alte Biertankstelle.

Hamburger Dom, Konträrfaszination

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Hamburger Dom, größtes Volksfest des Nordens, so die Veranstalter. Auf jeden Fall aber das häufigste: Frühling, Sommer und Winter. Gefühlt immer. Zuckerwatte, Riesenrad, Liebesapfel, Wilde Maus usw. Dazu aus Carmens Nebel ertönend in der Endlosschleife der Soundtrack des Ballermanns. Wer sind die Millionen, die hier für Sekunden ihr Glück zu finden versuchen?

Dennoch ein guter Ort. Jedenfalls morgens, bevor alles blinkt, wenn die jungen Männer zum Mitreisen noch schlafen. Alles so schön trist hier. Hamburger Dom, Konträrfaszination. Kann man hingehen, antizyklisch.

Otto

Otto
Otto

Das ist Otto aus meiner Nachbarschaft. Eigentlich ist er St-Pauli-Fan, seitdem ihm ein Bekannter ein T-Shirt dieses Fußballclubs geschenkt hat. Früher war er für den HSV, aber die sind ihm zu arrogant geworden, sagt er. Voller Vorfreude trägt Otto schon seit Monaten historische Weltmeisterschafts-T-Shirts, die allesamt aus einer Zeit stammen, in der einen die FIFA noch nicht nach Guantanamo verfrachtet hat, wenn man ein Stück Oberbekleidung mit dem Schriftzug „Weltmeisterschaft“ bedruckt hat, ohne dafür eine Lizenzgebühr in Höhe der Baukosten der Elbphilharmonie an den Weltfußballverband entrichtet zu haben. Bis zum Ausscheiden der Griechischen Mannschaft war Otto auch ein bißchen für Griechenland, weil er doch so gern beim griechischen Imbiss um die Ecke Gyros isst. Außerdem gehe es den Griechen gerade ohnehin nicht so gut, und deswegen können sie jede Unterstützung brauchen, so er. Das leuchtet ein, denn Fußball und Griechenland und Otto ist ja schon historisch so etwas wie eine Dreiheit. Jetzt hat Otto aber wieder beide Daumen frei – und drückt sie für das deutsche Team. Ist ja klar.