Arschlochcabriofahrer

Und dann dem Arschlochcabriofahrer, der mir, ohne dass es die Verkehrssituation erforderte, fast die Hacken abgefahren hat, laut in seine offene Karre hinterherbrüllen „DEIN AUTO BRENNT ALS NÄCHSTES!“, anschließend aber doch den Grillanzünder nicht, wie man es in den Boulevardmedien gelernt hat, auf seinem Autoreifen plazieren, sondern ganz brav dazu verwenden, die Kohle zum Glühen zu bringen, um sich anschließend fast an den in Plastikfolie eingeschweißten Würsten zu verschlucken.

Laufmaschinen

Berlin Fashion Week Catwalk

Mechanisch stakseln sie über den Laufsteg, starr ihr Blick. „Du darfst auf keinen Fall lächeln“, hat man ihnen gesagt, und eisern halten sie sich daran. Lange Schritte, konzentriert setzen sie einen Fuß vor den anderen, während sie mit den Augen einen imaginären Punkt am Ende des Raumes fixieren. Manchmal, wenn man ganz aufmerksam ist, kann man ein kleines Wanken beobachten, wenn sie in ihren schlecht passenden und viel zu hohen Schuhen hin und her rutschen. Für den Bruchteil einer Sekunden haben die Laufmaschinen dann etwas Menschliches.

Aus den Lautsprechern dröhnt elektronische Musik, die wummernden Bässe drohen die viel zu dünnen Mädchen wegzufegen. Kleider werfen keine Falten und Marcel Duchamps Flaschentrockner scheint das Idealbild des weiblichen Modeweltkörpers zu sein: ein Gerippe mit vorstehenden Knochen. Eine naturgegebene knabenhafte Frauenbrust ist keine Tragödie, die mit Silikonkissen bekämpft werden muss – aber eben auch kein Schönheitsideal, das mittels Wattediät heruntergehungert werden sollte. Ob manch ausgemergelter Erscheinung muss ich meinen Blick vom Laufsteg abwenden. Die Frauen seien für Models normal dünn, so meine fachkundige Begleitung. Die Normen müssen sich ändern, denke ich, und möchte die Models füttern. In der kommenden Saison sehen wir auf dem Laufsteg Frauen mit Hüften und Brüsten.

Old School Cappuccino

Cappuccino

Kein Third Wave, kein Flat White, keine Internetforen, in denen um die Nachkommastelle der Espresso-Shot-Menge diskutiert wird; keine goldene Kaffeemaschine mit limitierter Auflage, keine Raketentechnik und keine Philosophie.

Seit über fünfzig Jahren brühen die Casals in der Kleinstadt nun schon Cappuccino. Jedes Mal fragen sie, ob man ihn mit Sahne oder Milchschaum möchte. Letztere verzieren sie stets etwas ungelenk mit einem verkrüppelten Herz aus Kakaopulver. Ich mag die unaufgeregte Art der Kaffeezubereitung und doch vermisse ich zuweilen das Bohei der großen weiten Welt.

Tanzverbot

Bereits seit längerer Zeit waren sie einander flüchtig bekannt. Zufällig trafen sie sich an der Bar des kleinen Clubs, der wie alle kleinen Clubs auf St. Pauli früher einmal ein Bordell gewesen war. Gründonnerstag 2004. Nach ein paar Drinks küssten sie sich leidenschaftlich, plötzlich ging das Licht an und die Musik aus. Tanzverbot. Beide gingen allein nach hause. Später begegneten sie sich noch viele Male, verloren aber niemals ein Wort darüber, was geschehen war.