Chemnitz

Mercure Kongress Hotel und Stadthalle Chemnitz
Plattenbauromantik
Villa Feistel, Architekt: Max W. Feistel, 1928
Kosmonautenzentrum ‚Siegmund Jähn‘
Sozialistischer Realismus
Street Art

Heizkraftwerk Chemnitz-Nord, farbig gestalteter Schornstein von Daniel Buren
Stadtbad Chemnitz, Architekt: Fred Otto, 1929
Kaufhaus Schocken, Architekt: Erich Mendelsohn, 1930
#allthealleys

Chemnitz ist auch so eine Stadt. Erst will man nicht hin, man hört ja selten Gutes aus Sachsen. Dann will man nicht wieder weg, denn wenn man erst einmal da ist, ist es eigentlich ganz schön. Nicht dass ich für immer bleiben wollte, aber 48 Stunden sind doch zu kurz. Jedenfalls im Winter, wenn es fast immer dunkel ist. Und da ich nicht zum Vergnügen hier bin, bleiben mir auch nur drei Stunden Zeit und Licht, um die Stadt zu erkunden.

Und so schlendere ich durch die „Stadt der Moderne“, beginnend am riesigen Karl-Marx-Monument,vorbei an diversen mittlerweile verhältnismäßig farbenfrohen Plattenbauten und schönen Parks zur Villa Feistel. Den ganzen Weg dorthin hoffe ich, dass kein häßliches Auto, wie ich es auf einem Foto gesehen habe, vor dem Haus parkt. Mit mittelgroßem Entsetzen muss ich dann jedoch zur Kenntnis nehmen, dass ein Baugerüst, das archtiektonische Meisterwerk temporär entstellt.

Aber vielleicht komme ich eines Tages doch wieder, denn hier gibt es noch allerlei Bauwunder der 1920er- und 30er-Jahre zu entdecken. Und vielleicht ist dann auch das Baugerüst vor der Bauhaus-Villa verschwunden.

Hannover unterm Schwanz

Wo man sich denn treffen wolle, frage ich meine Verabredung. „Wir treffen uns unterm Schwanz“, so er, gleich die Erklärung hinterherschiebend, dass es sich dabei um den Schwanz des Pferdes eines Reiterdenkmals vor dem Hauptbahnhof handle. Nun denn. „Wenn Ihr schon in Hannover keine Weltzeituhr habt, meinetwegen.“

Eine Eisbachwelle haben sie auch nicht. Vor allem in Ermangelung eines Eisbaches. Da das aber mit der Kopie so gut klappt, in Hannover, legen sie sich bald eine künstliche Leinewelle zum Surfen zu. Herzlichen Glückwunsch.

Einen zweiten beliebten Treffpunkt gibt es auch: Am Kröpke. Immerhin an einer richtigen Uhr. Bis zum nächsten Mal, Stadt an der Leine.

Das Alpaka kommt nicht

Mehr als eine halbe Stunde warte ich geduldig am Zaum vor dem Gehege im Bremer Bürgerpark auf das Neuweltkamel. Aber es interessiert sich nicht für mich. Warum sollte es auch? Viel lieber sitzt der freundliche Rasenmäher der Sonne zugewandt einfach nur da. Lediglich kurze Phasen der Nahrungsaufnahme vermögen die meditative Entspannung gelegentlich zu unterbrechen. „Guck mal, ein Lama!“, so nicht wenige der Eltern zu ihren Kindern. Da würde ich auch nicht kommen, wenn ich ein Alpaka wäre.

München ist okay

 

 

Hannover – Berlin – Hamburg – München – Hamburg. Das alles in einer Woche, ganz schön viel Herumgereise für das bißchen Arbeit. Nicht wenig davon hätte sich auch daheim am Schreibtisch erledigen lassen; aber nun ein freier Tag in München. Ein Geschenk, das ich gern annehme. Obwohl hier und da vereinzelt noch zusammengeschobene Schneereste zu sehen sind, duftet es bereits ein wenig nach Frühling und ich denke, was ist Glück, und fühle mich Harald Juhnke („Keine Termine und leicht einen sitzen“) viel näher als Gottfried Benn („Dumm sein und Arbeit haben: das ist Glück“).

Mit dem leichtestmöglichen Reisegepäck (Notebook, Zahnbürste, T-Shirt, Unterhose) auf dem Rücken durch die Stadt flanieren. Einfach so. Kein Museumsbesuch, kein business lunch, nichts; aber leider auch keinen sitzen. Ein Biergarten wäre jetzt ganz schön, denke ich, während ich innerorts so durch die Maxvorstadt streife, aber da geht auch schon mein Zug zurück nach Hamburg. Auf dem Weg zum Bahnhof noch ein Augustiner für die Fahrt kaufen, das ist Glück, denke ich. Servus, München. Pfiat di!