Jugendherberge

JugendherbergeKürzlich lag eine Kiwi auf unserem Frühstückstisch. Diese zur Gattung der Strahlengriffel zählende Frucht, welche auch als chinesische Stachelbeere bekannt ist, erinnerte mich an meine Kindheit. In der Zeit zwischen dem Erblicken des Lichts der Welt und der geschlechtlichen Reife erfolgten mehrere Aufenthalte in verschiedenen Jugendherbergen, die mich noch Dekaden danach gelegentlich in schweißbadenden Alpträumen verfolgen. Ob im nordfriesischen Tönning oder in Goslar im Harz, überall zeigten die Einrichtungen des Deutschen Jugendherbergswerks das gleiche Bild.

Die Herbergseltern begrüßen die Schulklasse. Die Herbergsmutter ist kräftig und hat sehr dicke Oberarme. Ihre Gesichtsfarbe ist sehr rot und deutet auf Bluthochdruck hin. Der Herbergsvater ist untersetzt, er trägt einen dunkelblauen Rollkragenpullover und raucht Pfeife. Eigene Kinder hat das Paar nicht. Ihnen sind die ständig wechselnden Schulklassen lästig genug und für die Bedienung der Industriegeschirrspülmaschine halten sie sich einen Zivildienstleistenden. „Jugendherberge“ weiterlesen

Ruckelnder Regionalzug im Ruhrgebiet

Ruhrgebietsidylle
Foto: Helder da Rocha (CC by-sa)

Mit dem ruckelnden Regionalzug fahre ich durch das Grau des Ruhrgebiets. Mehrere Heranwachsende verströmen im Hintergrund aus ihren mitgebrachten Transistorradios lautstark rhythmische Rapmusik, zu der sie sich angeregt mit fremdländischer Sprachfärbung unterhalten. Trotz aller angestrengten Versuche erlangen sie nicht die erwartete Aufmerksamkeit der ihnen schräg gegenüber plazierten, wasserstoffblondierten und solariumgebräunten Vorstadtpomeranzen. Die stark vom Bergbau geprägten Orte heißen Dortmund und Rheinhausen. Die Strecke führt vorbei an brachliegenden Industrieruinen vergangener Jahrhunderte und ein paar verbleibenden, ruhig vor sich hinrauchenden, hoch hinausragenden Schornsteinen. Der übrige Raum wird von grau verputzten Mehrfamilienhäusern mit grenzenloser Tristesse verziert. „Ruckelnder Regionalzug im Ruhrgebiet“ weiterlesen