Bürotiere

“Die Tiere sind unruhig.”
(Rolf Dieter Brinkmann, Wörter Sex Schnitt.)

Eine Gruppe in dem Büro in der Kreuzberger Fabriketage pflegt Stofftiere um sich zu scharen. Nicht wenige dieser Tiere geben auf Druck oder Handzeichen Geräusche von sich. Das tun sie oft und und genau so oft strapazieren sie unsere Nerven. Trotzdem mögen wir sie. Irgendwie.

Exklusives PR-Event

Auf zwei Dinge fällt man im Leben immer wieder herein: Auf das Konzept der romantischen Liebe und auf Einladungen zu interessant klingenden PR-Veranstaltungen.

Die Kulisse über den Dächern der Hauptstadt ist gut gewählt. Anlässlich der Eröffnung einer Verkaufsplattform für elektronische Bücher eines Telekommunikationsunternehmens lesen ein Musikfernsehen-Moderator und ein Schauspieler einen Groschenkrimi von einem tragbaren Flachcomputer ab. Davor (zu Blitz und Donner) und in der Pause (im unzureichend klimatisierten Raum) spielen grobschlächtig wirkende, großflächig tätowierte Männer aus einem heruntergekommen Randbezirk akustischen Kuschelrock mit deutschsprachigen Texten.

Ich kenne niemanden, vermute jedoch einen hohen Anteil an Seifenoperndarstellern unter den exklusiv geladenen Gästen, und wundere mich ein wenig darüber, wie ich auf diese Art von Einladungsliste geraten bin. Eine Dame neben mir erzählt, dass sie Roland Emmerich kenne, während die andere übermäßig reichlich Lipgloss aufträgt. Es gibt gar nichts zu essen, aber dafür anfangs auch nur wenig zu trinken. Erst später entdecke ich die Bar, was den Getränkefluss erfreulich beschleunigt. Ein Buffet wäre Verschwendung, denke ich, da die meisten hier ohnehin niemals freiwillig feste Nahrung zu sich zu nehmen scheinen. Nur selten komme ich mit jemandem ins Gespräch, wobei die Frage “Und in welcher Vorabendserie spielst du so mit?” meine Popularität auf diesem Event nicht nachhaltig zu steigern vermag.

Meistens verpasst man nichts, wenn man nicht dabei ist. Also meistens im Sinne von immer.

Hotel Hotel

Kitschverkauf im maritim proArte Hotel Berlin

Sehr geehrte Frau Hotelierin,
sehr geehrter Herr Hotelier,

falls auch Sie vorzuhaben gedenken, Ihre Räumlichkeiten künftig verstärkt für Tagungen feilzubieten, berücksichtigen bitte folgende Punkte:

  1. Zerkochen Sie den Brokkoli nicht und servieren Sie ihn möglichst warm.
  2. Sorgen Sie im Konferenzbereich für funktionierendes kostenloses WLAN und eine ausreichende Anzahl an Steckdosenplätzen.
  3. Verkaufen Sie keinen Kitsch in Vitrinen. (Dies ist von besonderer Bedeutung, wenn Sie Ihr Haus als “Designhotel” zu kategorisieren pflegen.)

Für Ihre Bemühungen danke ich Ihnen und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Ihr bosch

 

Büro Büro

Andre spiel’n Büro-Büro,
Projekt-Projekte sowieso,
Decken sich mit Arbeit zu, die’s gar nicht gibt.
– Baby.

(Britta)

Werktäglich verschanzte sie sich mürrisch blickend hinter ihren beiden großen Monitoren. Nie pflegte sie ein Wort zu sagen, wippte aber manchmal mit dem Bein. Lediglich wenn für sie eine Lieferung des Schuhversandhauses eintraf, entfuhr ihr ein kurzes Lächeln. Ging man an ihrem Arbeitsplatz vorbei, konnte man sie gelegentlich dabei beobachten, wie sie im Internet lange Küchenmesser bestellte.

Kaffeemaschine

Ei! wie schmeckt der Coffee süße,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Coffee, Coffee muss ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Coffee ein!

(Johann Sebastian Bach, BWV 211, “Kaffeekantante”)

Schluss mit den Befindlichkeitsquatsch, an dem man sowieso nichts ändern kann. Wenden wir uns wieder den irdischeren Dingen zu: Zum Beispiel Kaffeemaschinen. Neuerdings besitze ich so eine. Normalerweise laufen einem höchstens verfressene Kater oder Hunde mit Tollwut zu.

Mir ist quasi eine Kaffeemaschine zugelaufen – eine von diesen neumodischen Dingern für sogenannte Pads, die aussehen wie Teebeutel ohne Band. Praktischerweise befanden sich in dem Versandkarton gleich eine Menge verschiedener Sorten zum Ausprobieren. Ich selbst wäre damit vermutlich zwei Jahre über die Runden gekommen. Da mir die Kaffeemaschine ins Büro gesandt wurde, hielt der Vorrat naturgemäß nicht allzu lange. Selbst ganz schlimme Sorten wie Cappuccino mit Karamel oder Latte, bei denen sich selbstverständlich alle Zutaten in einem Pad befinden, fanden reißenden Absatz.

Jetzt allerdings ist mein Padvorrat erschöpft, aber die Maschine steht noch immer da. Sie wirkt ein wenig traurig im Schatten des großen Espresso-Vollautomaten. Aber dieser Eindruck scheint zu täuschen. Manchmal, wenn ich an der großen Maschine nebenan stehe, zeigt mir ein leuchtendes Kontrollämpchen an der Senseo, dass es noch jemanden geben muss, der sie betreibt. Möglicherweise verbringt ein Kollege seine kurzen Feierabende damit, Bohnenkaffee in Filtertüten einzunähen, um diesen dann tagsüber während der Arbeit, wenn ihm niemand zuschaut, heimlich zu senseoisieren. Vielleicht ist es aber auch ganz anders.

(Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Dieser Beitrag diente lediglich der Erdung.)