Emotionsmanagement

Nur mit einem Ohr höre ich dem glatzköpfigen Mann auf dem Podium zu. Meine Aufmerksamkeit gilt vor allem meinem Mobiltelefon, von dem ich versuche, digitale Erinnerungen zu verbannen. Analoge Erinnerungsstücke brennen besser, denke ich, als ich plötzlich aufhorche: Der Mann auf der Bühne sagt, er sei Professor für Emotionsmanagement.

Was soll ich von einem Theoretiker wie ihm lernen, frage ich mich, während ich eine Telefonnummer lösche, die ich nicht mehr anzurufen gedenke. Obwohl er nur wenige Meter von mir entfernt ist, klingt seine Stimme wie aus weiter Ferne. Ich höre etwas von China, rasant wachsenden Märkten und Internet. Die Zukunft liege in Asien, sagt er, und dass Innovation das ganz große Ding sei. Tatsächlich ist er Professor für Innovationsmanagement. Das kann man sicher auch irgendwann einmal gebrauchen.

Dem Geheimnis des Lebens auf der Spur

Im zweiten Stock des Treppenhauses existiert seit einiger Zeit eine Tauchbörse für Bücher. Kürzlich war hier ein ringgeheftetes Druckerzeugnis zu finden: “Die 7 Schritte um sicheren Umgang mit der Einhandrute – Seminar- und Arbeitsunterlage”. Zu meinem Erstaunen hat sich nach nur wenigen Tagen ein Interessent hierfür gefunden. Nachdem auch ich mehrfach zaghaft danach geschaut hatte, freute ich mich jedoch für den Mitnehmer: Gut gemacht, da hast du 15,- Euro Schutzgebühr gespart, dachte ich mir. Nach ein paar Tagen jedoch wurde die Anleitung anderer Stelle im Treppenhaus wieder ausgesetzt. Also machte auch ich mich ran, 15 Euro zu sparen und griff entschlossen zu. Mehrere Wochen sind seitdem vergangen und ich schleppe dieses Heftchen seitdem stets mit mir herum, ohne je einmal hineingeschaut zu haben.

Das sollte heute anders werden: schließlich möchte ich nicht von dieser Erde gehen, ohne die Gelegenheit genutzt zu haben, mich über die Funktionsweise eines Rayometers zu informieren. Seitdem bin ich “dem Geheimnis des Lebens und der Steuerung des menschlichen Körpers durch die höhere Radiästhesie auf der Spur”. Ein durchaus spannender Weg, wie ich finde. Aber nicht ganz einfach zu verstehen, denn “die Resonanzdiagnostik nach Paul Schmidt basiert auf der Applikation von definierten Interferenzen feinstofflich-energetischer Wellen zur Prüfung der körpereigenen Regulationsmechanismen”. Klar, dachte ich mir, Chakren sind ein hervorragendes Erklärungsmodell, aber macht es den wirklich einen so großen Unterschied, ob man die Rute nun vertikal oder drehend bewegt? Ist das nicht viel mehr wie beim Joghurt – egal, ob links- oder rechtsdrehend? Scheint es nicht zu sein, denn “schließlich hat alles seine Zwei Seiten: hell/dunkel, Freude/Leid, Yin/Yang”. Wichtig ist natürlich auch, eine “positive Frequenz in die Spenderhand zu geben”, dann klappt es auch mit der Harmonisierung.

Ein bißchen bedaure ich jetzt, dass ich gerade nicht so ein Ding zu Hand habe, sonst könnte ich ganz leicht den Elektrosmog in meinem Schlafzimmer abstellen. Aber vielleicht bestelle ich mir demnächst so eine praktische Einhandrute bei der Firma Rayonex. Bis dahin muss ich mich damit begnügen, des Nachts den WLAN-Repeater neben dem Bett auszuschalten.

Umckaloabo

Umckaloabo

Wenn ich bislang an Urlaub gedacht habe, dann habe ich an Sonne, Strand, Palmen, aufregende Städte oder von mir aus auch an Island gedacht. All dies sind eher teurere Vergnügungen.

Sollte ich demnächst eine Auszeit von meinem Alltag benötigen, wird mich mein Weg nicht ins nächste Reisebüro, sondern in die Apotheke meines Vertrauens führen: 20 Gramm des Auszugs aus Pelargonium-sidoides-Wurzeln sind bereits für bescheidene 9,- Euro zu haben. Wenn ich künftig an Urlaub denke, denke ich an Umckaloabo. Viele schwören ja darauf.

Leckere Magenmorsellen und Twitterlesung

Kaum verlässt man die gewohnten Pfade, begegnen einem die merkwürdigsten Dinge. Bei meinem gestrigen Besuch in  einer Apotheke, die nicht die A. meines Vertrauens ist, entdeckte ich beim Schweifen meines Blickes unter der Ladentheke “Leckere Magenmorsellen”. Auf den Erwerb derselben habe zwar ich verzichtet, dennoch erfreute mich den ganzen Tag der Gedanke an das Wort “Magenmorsellen”. Ich kann nicht ausschließen, dass allein der Klang des Wortes “Magenmorsellen” eine leicht gesundheitsfördernde Wirkung entfaltet – und wenn sie dazu auch noch “lecker” sind, umso besser.

Mindestens genauso sinnvoll – wenngleich möglicherweise auch nicht ganz so “lecker” – ist die anstehende Twitterlesung: am Donnerstag, den 22. Januar dieses Jahres werden meine Kollegen von Twitkrit und ich erstmalig die Freie und Hansestadt Hamburg mit twitterarischen Kuriositäten beglücken. Details zu dieser Veranstaltung finden sich hier. Kommt alle!