Das Jahr im Blog 3/2017: Post-Shop

Richtige Post-Filialen gibt es ja kaum noch. Wir haben in der Nachbarschaft einen Post-Shop. Dieser teilt sich die Räumlichkeiten und das Personal mit einem Lotto-Zeitschriften-Tabak-Laden. Wann immer mich mein Zusteller nicht antreffen kann, landen meine Pakete im Lotto-Zeitschriften-Tabak-Post-Shop. So auch heute.

Samstags ist es hier immer besonders voll. Alle, die unter der Woche keine Zeit haben, holen dann ihre Amazon-Pakete ab oder schicken ihre Zalando-Bestellungen zurück und sind dabei schlecht gelaunt. Vermutlich weil sie wieder nicht im Lotto gewonnen haben. Die meisten von ihnen spielen zwar gar kein Lotto, sind aber trotzdem schlecht gelaunt. Sie haben ihren Retourenschein vergessen, keinen Ausweis dabei oder möchten Bargeld abheben, obwohl der Lotto-Zeitschriften-Tabak-Post-Shop keine Postbank-Dienstleistungen anbietet. Andere wiederum brauchen gar keinen Grund, sie sind einfach nur so schlecht gelaunt.

Fast hätte ich mich heute auch zur Übellaunigkeit verleiten lassen. Als ich an der Reihe war, teilte man mir nach einer Viertelstunde des ratlosen Suchens mit, dass meine Sendung nicht auffindbar sei. Man notierte handschriftlich meinen Namen und meine Telefonnummer auf einem Zettel. Auf diesem standen über mir noch etwa zwanzig weitere Suchaufträge ohne den Anschein einer Erledigung.

Wieder zu Hause angekommen überlegte ich mir bereits ein paar schmissige Zeilen für einen billigen Post-Rant, weil ich mir ja zum Jahreswechsel vorgenommen hatte, wöchentlich zumindest einen Artikel zu veröffentlichen. Aber da klingelte auch schon mein Telefon: „Wir haben Ihr Paket gefunden und Sie können es gleich abholen.“ Toll.

Jeden Tag ist die Betreiberfamilie dem verständnislosen Gezänk ihrer Kunden ausgeliefert, das stets samstags in der Aufführung des Musicals ‚Litte Post-Shop of Horror‘ gipfelt. Sie bleiben trotzdem immer freundlich. Ich sage Danke, Lotto-Zeitschriften-Tabak-Post-Shop-Betreiber-Familie.

jrgmyr x bosch: Ein Gespräch über Kaffee

Es beginnt ganz harmlos mit einem Anruf von einer Rufnummer, die ich nicht kenne, weil wir zuvor noch nie miteinander telefonierten. Herr Meyer hinterlässt eine Nachricht auf dem elektronischen Sprachspeicher, ich rufe zurück und wir verabreden uns, um miteinander ein wenig über Kaffee zu plaudern.

Den Ort darf ich wählen, und es kommt Herrn Meyer nicht ungelegen, dass ich das Le Lion wähle, denn es ist die Bar, die er betreibt, und es ist die beste Bar, die ich kenne. Und so reden wir fast zwei Stunden über Kaffee, insbesondere die Vorzüge von hellen Röstungen und Filterkaffee und die Schattenseiten der Zubereitungsart Espresso sowie kalt extrahierten Kaffee.

Wir genießen derweil vorzüglichen Martini (mit Gin Sul in der stärkeren Rota-Variante), Genever Collins (der recht limonadig daherkommt) und schnabulieren dazu ein paar Canapés aus der Etagère. Später gibt es off-the-record noch ganz großartigen Rum (Doorly’s XO), einen fantastischen Daiquiri und eine exzellente Buttermilch-Margarita (überhaupt der allerbeste Drink.)

Aber ich möchte nicht zu sehr vom eigentlichen Thema ablenken. Schließlich soll es hier im Kaffee gehen. Wer sich dafür interessiert, möge bitte den Podcast anhören. Wer einen Drink mag, dem sei ein Besuch des Löwen ans Herz gelegt. Am besten genau in dieser Reihenfolge.