Japan

Und dann sitzt man fassungslos vor dem Bildschirm und sieht dabei zu, wie 9.000 km entfernt die Erde bebt und ein Tsunami übers Land fegt, und ist wie gelähmt. Während Naturgewalten Menschen und Häuser und alles, was sich ihnen in den Weg stellt, unter sich begraben, sollte man vielleicht denken, dass es einem selbst ja relativ gut ginge, und die eigenen Sorgen in Eingedenk dessen, was gerade in Japan vor sich geht, verhältnismäßig klein seien. Aber naturgemäß sind sie das nicht, weil sie ja viel näher dran sind an einem selbst als zusammenstürzende Häuser und Atomkraftwerke. Diese Erkenntnis beschämt und lässt es einen noch etwas schlechter gehen als zuvor und am nächsten Tag wacht man auf und schaut im Internet nach, um zu sehen, ob die Welt bereits untergegangen ist. Dann ist man verwundert über all die Tsunami-, Kernkraft-, Betroffenheits- und Gute-Laune-Experten, die in den sozialen Netzwerken plötzlich wie Atompilze aus dem Boden sprießen, und klappt den Rechner wieder zu und wartet auf die Kernschmelze.

Angst

Vor einiger Zeit hörte er, dass ein Bekannter einer Freundin unter Angst vor Knöpfen (Koumpounophobie) leide. Was zunächst ein bißchen lustig klingen mag, stellt sich spätestens dann als Problem heraus, wenn dem Ängstlichen jemand statt in einem T-Shirt in einem Hemd gegenüber sitzt. Einem engen Freund wiederum wurde kürzlich nach einer dreistelligen Anzahl an Sitzungen auf der Couch eines Thearapeuten diagnostiziert, dass er Angst vor dem Ablaufen der Zeit habe (Chronophobie).

Auch er litt an Ängsten: So bereitet ihm u.a. der Blick in die Tiefe oft großes Unbehagen (Bathophobie). Besonders, wenn die Umstände wackelig sind, kann er sich kaum noch auf seinen Gleichgewichtssinn verlassen und gerät ins Stocken.

Aber auch andere Rahmenbedingungen können in ihm Furcht und Schrecken auslösen. Um sich zu versichern, dass mit den Phobien, unter denen er zu leiden glaubt, nicht allein ist, überprüft er deren Existenz unregelmäßig in einem Online-Lexikon.

Im Gegensatz zu vielen Mitmenschen ist ihm jedoch eine Angst völlig fremd: Fluganst (Aviophobie). Selbst größere Turbulenzen nimmt er in höchsten Höhen mit Gleichmut hin und denkt dabei stehts: Wenn wir jetzt abstürzen, dann ist es alles wenigstens schnell vorbei.

Wigald

I feel like a blind man with a color TV,
Everything’s fine but I just can’t see.
Too much of a strain to eat three meals a day,
Wherever I’m going I’m loosing my way.
I’m so tired.
I’m almost dead.

(Element of Crime)

Ein sehenswerter Kurzfilm über einen jungen Mann, der versucht, sich das Leben zu nehmen. – Und das ist gar nicht so einfach.

Ausführlicher schreibt Zeit Online über Timon Modersohns filmisches Kleinod.

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(via drueberleben)