Möve im Felsenkeller

Möve im Felsenkeller

Wenn es so etwas wie eine “ehrliche Kneipe” überhaupt gibt, dann ist es die Möve im Felsenkeller in Berlin-Schöneberg. Unaufgeregt geht es in der rustikal möblierten und wunderbar schummrig ausgeleuchteten Gaststätte zu. Es gibt Bier vom Fass und auf der Karte stehen kleine Gerichte wie Matjes oder Schinkenknacker.

Keine Musik spielt nervend im Hintergrund. Wir blicken in die Runde und ums herum sitzen Menschen aus der Nachbarschaft, die miteinander reden und trinken und wir reden und trinken ebenfalls. Die anderen Gäste sind zumeist deutlich älter als wir. Mein Freund T. sagt, das mache Hoffnung und wir stoßen auch darauf an.

Die Kellnerin mit der mütterlicher Strenge ist aufmerksam und sorgt dafür, dass unsere Gläser stets gefüllt sind. Obwohl die Bedienung eines Zapfhahns keine Raketenwissenschaft ist, glaube ich, der Mann hinter der Theke hat das Geheimnis des perfekt gezapften Bieres entdeckt. Nirgends nirgends schmeckt es so gut wie hier, wohltemperiert. Kurz vor Schluss wollen den Aufbruch einleiten, indem wir zwei kleine Biere bestellen. Kleine Biere gibt es nicht, also nehmen wir zwei große. Das ist auch besser so.

Tanzverbot

Bereits seit längerer Zeit waren sie einander flüchtig bekannt. Zufällig trafen sie sich an der Bar des kleinen Clubs, der wie alle kleinen Clubs auf St. Pauli früher einmal ein Bordell gewesen war. Gründonnerstag 2004. Nach ein paar Drinks küssten sie sich leidenschaftlich, plötzlich ging das Licht an und die Musik aus. Tanzverbot. Beide gingen allein nach hause. Später begegneten sie sich noch viele Male, verloren aber niemals ein Wort darüber, was geschehen war.

Kingsizegedöns

Nachts in einer Imbissbude in Berlin-Mitte stehen und Currywurst und Pommes essen und dazu Champagner trinken. Dann in so eine von diesen Mitte-Bars gehen und den Körper zu elektronischer Musik widerwillig zucken lassen, obwohl die Abneigung gegen elektronische Musik die Größte ist. Einander ironisch Siezen und beim Hinausgehen die Stirn in Falten legen. Die Masche wirkt. Obwohl betrunken, schließlich doch vernünftig sein und allein nach Hause gehen. Draußen ist es schon wieder hell und der Hals ist beim Aufwachen schon wieder trocken. Aber das ist so egal – wie alles andere auch.

Schlaftrunken

Frühmorgens schlaftrunken nachhause kommen. Auf dem Weg Begegnungen mit Nachtschwärmern und Flaschensammlern. Obschon es taghell ist, überall Suchende. Der eigene Gang so schleppend wie der der anderen. Auf dem Boden der U-Bahn verschüttetes Bier und Kotze. Scheinbar ankommen. In der Küche das restliche Pulver zusammenklauben und den dünnsten Kaffee der Welt kochen. Dann mit letzter Kraft das Hochbett erreichen. Müde sein und doch nicht schlafen können. – Gedankenkreisen. Und was man auch nicht weiß: Wie das alles noch werden soll.