Hündin und Herr

Ich bin auf den Hund gekommen wie man sagt,
Der Hund bestimmt mein ganzes Leben
Seit diesem Tag.
Ich gehe vor die Hunde wenn,
Ich ihn nicht mehr hab.

(Tocotronic)

Abhängigkeiten ketten sie aneinander, sie sind wie ein altes Ehepaar. Vielleicht mochten sie einander früher einmal. Rudolf, der Herr, hat Blondi, seine Hündin, ab und zu getätschelt und regelmäßig gefüttert. Blondi bedachte Rudolf dafür mit einem freundlichen Blick. Irgendwann aber haben sie sich auseinander gelebt. Trotzdem gehen sie noch täglich miteinander vor die Tür, denn ohneeinander geht es auch nicht. Wenn Blondi nicht so recht will, wie er es gern hätte, schreit er sie an. Sogar Anzeichen von Tätlichkeiten kann man gelegentlich beobachten. Blondi erträgt all dies seit Jahren mit der allergrößten Gleichmut. Im Laufe der Zeit hat die Hündin es gelernt, sich an Rudolf zu rächen. Wo sie nur kann, trödelt sie, schnuppert hier und da an irgendwelchen Dingen, die sich am Wegesrand befinden, und bleibt immer häufiger unvermittelt stehen. Immerzu lässt sie Rudolf, der es nicht besser verdient hat, auflaufen. Blondi emanzipiert sich. Wüsste man es nicht besser, könnte man manchmal sogar meinen, dass Blondi Rudolfs nunmehr Herrin sei. Tagein, tagaus machen sie einander das Leben schwer, obwohl sie einander doch Zuneigung und Vertrauen entgegenbringen sollten. Die Hölle, das sind sie beide. Rudolf wird immer jähzorniger. Blondi bestünde die Prüfung zur Blindenhündin heute wohl nicht noch einmal.

Hündin und Herr