Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder

Das Büro war gemeinhin kein sonderlich angenehmer Ort. Nur manchmal war es erträglich, wenn er mit seinem Lieblingskollegen, dem Anästhesisten, auf dem langen Flur „Es tönen die Lieder, der Frühling kehrt wieder“ im Kanon sang. Naturgemäß taten sie das antizyklisch stets im Herbst oder Winter, während sie im Lenz bevorzugt Weihnachtslieder anstimmten. Die sogenannten Kollegen schüttelten darüber stets ihre Köpfe. Das war das einzige, zu dem sie zu gebrauchen waren.

Eine vergleichbare Empörung vermochte er hervorzurufen, als er einige Jahre zuvor im Großraumbüro einer Universalbank ein Schild mit der Aufschrift „Heute ist ein guter Tag!“ auf seinem Schreibtisch aufstellte. Der sich aus bis heute unerklärlichen Gründen hiervon provoziert gefühlte Vorgesetzte bat eindringlich um sofortige Entfernung. Dieser Bitte konnte er nicht entsprechen, da dies verständlicherweise seinen Tag nicht verbesserte. So ging es lange hin und her. Irgendwann gab er nach, baute sein Schild ab und verließ das Großraumbüro für immer.

Scha-la-la-la-la-la-la-la-la-la la-la-la-la-la-la-la …

Bürotiere

„Die Tiere sind unruhig.“
(Rolf Dieter Brinkmann, Wörter Sex Schnitt.)

Eine Gruppe in dem Büro in der Kreuzberger Fabriketage pflegt Stofftiere um sich zu scharen. Nicht wenige dieser Tiere geben auf Druck oder Handzeichen Geräusche von sich. Das tun sie oft und und genau so oft strapazieren sie unsere Nerven. Trotzdem mögen wir sie. Irgendwie.

Büro Büro

Andre spiel’n Büro-Büro,
Projekt-Projekte sowieso,
Decken sich mit Arbeit zu, die’s gar nicht gibt.
– Baby.

(Britta)

Werktäglich verschanzte sie sich mürrisch blickend hinter ihren beiden großen Monitoren. Nie pflegte sie ein Wort zu sagen, wippte aber manchmal mit dem Bein. Lediglich wenn für sie eine Lieferung des Schuhversandhauses eintraf, entfuhr ihr ein kurzes Lächeln. Ging man an ihrem Arbeitsplatz vorbei, konnte man sie gelegentlich dabei beobachten, wie sie im Internet lange Küchenmesser bestellte.