Das Kapital

Macht Geschenke: The Making of Capital, Christin Lahr

Tag für Tag sitzt die Künstlerin Christin Lahr seit dem 25. Mai 2009 an ihrem Schreibtisch aus massivem Eichenholz, um dem Bundesminesterium für Finanzen mittels Banküberweisung einen Cent zukommen zu lassen.  Als Verwendungszweck zitiert sie dabei 108 Zeichen aus Karl Marx Das Kapital. „Gelänge es, die momentane Staatsverschuldung von 1.746.599.197.210 EUR einzufrieren, wäre Lahrs Geschenk aufgrund der exponentialen Effekte von Zins und Zinseszins in der Lage, diesen Betrag innerhalb von ca. 300 Jahren zu tilgen“, heißt es im Katalog der Ausstellung. Der Inhalt des Buches ist bei dieser Vorgehensweise bereits nach 43 Jahren übertragen; das Voranschreiten des Projekts wird mit Screenshots dokumentiert.

Ebenso wichtig wie die Geste des Geschenkes an das gesamte Volk ist der in der Ecke wie zufällig angelehnte Zollstock. Unserem aufmerksamen Blick ist selbstredend nicht entgangen, dass die Künstlerin ein bißchen schummelt: sie verwendet vordatierte Terminüberweisungen. Natürlich könnte man auch das ganze Buch per Post schicken und die 1.746.599.197.210 Euro in einer Summe überweisen. – Dann wäre es wohl aber keine Kunst mehr.

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