Tagebuch eines EM-Verweigerers Teil 3: Das Leiden geht weiter

Das Leben als EM-Verweigerer wird von Tag zu Tag schwieriger. Nicht, dass in mir plötzlich ein unerklärlicher Drang aufkeimte, plötzlich einem Rudelglotzen beizuwohnen. Vielmehr belastet mich die unaufhaltsam scheinende Rundlederbegeisterung angesichts der wider Erwarten überstandenen Vorrunde der Deutschen Nationalmannschaft.

Derweil steigen die Benzinpreise ins Unermessliche. Die überall ausverkauften Fahnen werfen ihre Schatten: Der durch sie erhöhte Luftwiderstand führt schon seit Wochen dazu, dass der Spritverbrauch eines durchschnittlichen Kleinwagens sich beständig dem eines amerikanischen Straßenkreuzers annähert. Dies treibt die Nachfrage in die Höhe. Der ADAC jammert, Greenpeace schimpft und die Vertriebsvorstände der Mineralölkonzerne taumeln vor Glück. Nicht mit Blick auf das Gekicke, sondern beim freudigen Blick auf ihre Absatzzahlen vermögen sie nur noch mit leuchteten Augen vom sogenannten „EM-Effekt“ zu sprechen.

Nachdem nun auch der letzte Einzelhändler vom Fußballfieber gepackt während der Spielzeiten lieber sein Geschäft schließt, anstatt die ohnehin kränkelnde Wirtschaft ankurbeln zu lassen, und ich mittlerweile auch schon meinen längst überfälligen Friseurbesuch absolviert habe, werde ich mich während des nächsten Spiels „unserer“ Nationalmannschaft den dann auslaufenden Ebay-Auktionen zuwenden. Dort lässt sich mangels Nachfrage sicher das eine oder andere Schnäppchen schlagen.

Tagebuch eines EM-Verweigerers Teil 3: Das Leiden geht weiter