Soundtrack meines Lebens: Das Unglück muss zurückgeschlagen werden

Das Unglück muss zurückgeschlagen werden von Tocotronic. Gilt eigentlich immer – im Moment aber ganz besonders.


Dies ist ein Beitrag aus meiner Serie “Der Soundtrack meines Lebens”. Weitere Beiträge dazu folgen demnächst wahrscheinlich hier. Du möchtest auch ein Stück Musik vorstellen? Nur zu.

Finkenwerder

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Wir haben gehalten,
In der langweiligsten Landschaft der Welt.
Wir haben uns unterhalten,
Und festgestellt, daß es uns hier gefällt.

(Tocotronic)

Hamburg-Finkenwerder, 4. August 2009. Eigentlich ein ganz normaler Tag, sogar die Sonne scheint nach ihren Möglichkeiten. Mit der Hafenfähre übersetzen. Die Fähre ist voller Touristen, aber niemand steigt aus. Drei Stunden gehen, schauen, vorletzte Fotografien machen. Hier, auf der anderen Seite der Elbe, findet sich keine Spur von Urbanität: zweckmäßiger Getränkemarkt, alteingesessener Bestatter, verfallene Werft, tristes Gewerbegebiet und heruntergekommener Imbiss; nur das Nötigste.

Wie es sich hier wohl lebt? Ich werde es nie herausfinden. Die Fähre, die mich zurückbringen soll, steht bereits am Anleger bereit. Ich muss mich beeilen, um sie noch zu erreichen. Der Fährmann muss seinen Fahrplan einhalten, wartet aber trotzdem. Wären die Dieselmotoren nicht so laut, hätte ich vielleicht sein Zähneknirschen hören können. Zum Dank nicke ich ihm freundlich zu, er nickt zurück und legt ab. Auf der Fähre befinden sich wieder zahlreiche Touristen, wieder ist niemand auf Finkenwerder ausgestiegen.

Schon wenige Stunden später wird nichts mehr sein, wie es mal war. Aber davon ahne ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts.

Blumfeld geben Abschiedskonzert – Kein Lied mehr

Blumfeld Abschiedskonzert am 25.05.2007 in der Fabrik, Hamburg

Der Morgen des 22. Konzerts der Blumfeld Tour und des damit definitiv letzten Konzerts vor der Auflösung der Band begann in Hamburg mit einem heftigen Gewitter. “Ein Zeichen des Himmels?” fragt Jochen Distelmeyer, seit nunmehr 16 Jahren Kopf und Stimme der Gruppe, ein paar Stunden später, um es gleich im Anschluss zu verneinen. Schließlich glaube er nicht an Gott. Vielmehr glaubt er offensichtlich daran, dass es wichtig sei, ausreichend zu trinken, und reicht sogleich seine Wasserflasche ins dürstende Publikum. Die Hamburger Fabrik ist seit Wochen ausverkauft und sicher nicht zuletzt angesichts der langen Gästeliste stehen die Fans dichtgedrängt, um sich von Jochen Distelmeyer (Gesang, Gitarre), André Rattay (Schlagzeug), Vredeber Albrecht (Keyboard) und Lars Precht (Bass) zu verabschieden. Etwas später darf auch Gründungsmitglied Eike Bohlken für zwei Lieder aus der frühesten Schaffenszeit (Penismonolog, Zeittotschläger) wieder an den Bass. Im Hintergrund reicht Sterne-Bassist Thomas Wenzel nach fast jeden Lied eine andere, frischgestimmte Gitarre und darf im Hintergrund auch hin und wieder selbst in die Saiten greifen, was den Sound merklich erfrischt. Weiterlesen

Krise in der Hamburger Schule

Bereits zu Beginn des Jahres versetzte die Nachricht über die Auflösung der Band Blumfeld die Hamburger Musikszene in einen Schockzustand. Wie jetzt bekannt wurde, ist auch das renommierte Indie-Label L’age d’or (LADO) nahezu am Ende. 1988 von Carol von Rautenkranz und Pascal Fuhlbrügge gegründet, beheimatete die kleine hanseatische Plattenfirma zunächst Bands wie Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs und Huah!, die den späteren Größen der sogenannten Hamburger Schule den Weg ebneten. In den 90er Jahren fanden die Bands Die Sterne und Tocotronic mit ihren intelligenten deutschsprachigen Texten schließlich auch bei einem etwas breiteren Publikum Gehör. Weiterlesen