Übergangsjacke

Dann ist wieder Frühling und man sitzt im Biergarten auf harten Bänken, um frischgezapfte Biere aus großen Gläsern zu trinken. Nicht im schönen Prater oder im Englischen Garten unter dem Chinesischen Turm, wie noch im vergangenen Jahr, sondern ganz woanders und mit neuen Menschen. Sonst scheint alles wie immer zu sein:

Man trägt eine ganz leichte Sommerjacke und sobald die Sonne ihr wohliges Strahlen wieder einstellt, wünscht man sich eine wärmendere. – Keine ganz wintertaugliche Oberbekleidung, sondern irgendetwas dazwischen. Dann wundert man sich ein bißchen darüber, warum das Konzept der Übergangsjacke gemeinhin mit Geringschätzung betrachtet wird, trinkt noch einen letzten großen Schluck und geht.

L****

Es ist nicht unsere Schuld,
Es konnte ja nicht gehen.
Es ist ein durch und durch
Fehlerhaftes System.
Wir taten, was wir konnten,
Es konnte doch nicht sein,
Es fing mit L an
Und wir fielen darauf rein.

(Christiane Rösinger)

Trotz Höhenangst und Sonnenschein den Tag im Hochbett verbringen und noch einmal die Musik der Lassie Singers hervorkramen. Dann mit einem alten Freund telefonieren, der in Zeiten wie diesen stets voller Überzeugung zu einer sogenannten Zwischenfrau rät. Dankend ablehnen und ihm sagen, dass man gerade zehn Monate lang eine solche hatte. Dann gemeinsam lachen. Natürlich ist es in diesem Moment die nicht reproduzierbare Komik der Situation, denn beide wissen, dass es ganz anders war. Aber das ist nun vorbei.

„Werdet ruhig willfährig – mich kriegt Ihr nicht mehr dran.“

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Dies ist ein Beitrag aus meiner Serie “Der Soundtrack meines Lebens”.

 

Analog ist besser


In einer Gesellschaft,
in der man bunte Uhren trägt,
in einer Gesellschaft wie dieser
bin ich nur im Weg.

Aber Digital ist besser,
Digital ist besser,
Digital ist besser,
für mich.

(Tocotronic)

Vor zwanzig Jahren unter einem Hochbett gesessen: Wir hörten die Beatles, das weiße Album – von Schallplatte. Ich besaß damals bereits einen CD-Player und hielt ihn für überlegen: digitale Technik, perfekte Reproduzierbarkeit, keine Abnutzungserscheinungen.

Ein Irrglaube, denn während sich die ersten Silberlinge vielleicht bald ganz von allein in Luft auflösen, wird Vinyl von Bestand sein.

Manchmal sehne ich mich danach, einen Tonarm behutsam aufzusetzen, eine Platte umzudrehen, nach dem Knistern, der Wärme des Tons und in einer großformatigen Plattenhülle zu blättern. Alles Nostalgie oder Psychoakustik? Mag sein. Aber möglicherweise gibt es Zwischentöne, die sich in Nullen und Einsen nicht ausdrücken lassen.