Doppeldeckerbus

And if a double-decker bus
Crashes into us
To die by your side,
Is such a heavenly way to die

(The Smiths)

Sinnlos mit dem Doppeldeckerbus durch die halbe Stadt fahren. Es regnet; durch die Kopfhörer fließen Bachs Goldberg-Variationen direkt in das Gehirn. In seinen Händen ihr Brief – von nah und doch weit weg. Darin das Bild eines Dinges, das ihre Wohnung zierte, und das er manchmal belächelt hat. Unzählige Fragen, aber keine Antworten. Stattdessen ein Thema mit Variationen. Gedankenverloren versäumt er, seinen Haltewunsch anzumelden …

Kaffeemaschine

Ei! wie schmeckt der Coffee süße,
Lieblicher als tausend Küsse,
Milder als Muskatenwein.
Coffee, Coffee muss ich haben,
Und wenn jemand mich will laben,
Ach, so schenkt mir Coffee ein!

(Johann Sebastian Bach, BWV 211, „Kaffeekantante“)

Schluss mit den Befindlichkeitsquatsch, an dem man sowieso nichts ändern kann. Wenden wir uns wieder den irdischeren Dingen zu: Zum Beispiel Kaffeemaschinen. Neuerdings besitze ich so eine. Normalerweise laufen einem höchstens verfressene Kater oder Hunde mit Tollwut zu.

Mir ist quasi eine Kaffeemaschine zugelaufen – eine von diesen neumodischen Dingern für sogenannte Pads, die aussehen wie Teebeutel ohne Band. Praktischerweise befanden sich in dem Versandkarton gleich eine Menge verschiedener Sorten zum Ausprobieren. Ich selbst wäre damit vermutlich zwei Jahre über die Runden gekommen. Da mir die Kaffeemaschine ins Büro gesandt wurde, hielt der Vorrat naturgemäß nicht allzu lange. Selbst ganz schlimme Sorten wie Cappuccino mit Karamel oder Latte, bei denen sich selbstverständlich alle Zutaten in einem Pad befinden, fanden reißenden Absatz.

Jetzt allerdings ist mein Padvorrat erschöpft, aber die Maschine steht noch immer da. Sie wirkt ein wenig traurig im Schatten des großen Espresso-Vollautomaten. Aber dieser Eindruck scheint zu täuschen. Manchmal, wenn ich an der großen Maschine nebenan stehe, zeigt mir ein leuchtendes Kontrollämpchen an der Senseo, dass es noch jemanden geben muss, der sie betreibt. Möglicherweise verbringt ein Kollege seine kurzen Feierabende damit, Bohnenkaffee in Filtertüten einzunähen, um diesen dann tagsüber während der Arbeit, wenn ihm niemand zuschaut, heimlich zu senseoisieren. Vielleicht ist es aber auch ganz anders.

(Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Dieser Beitrag diente lediglich der Erdung.)

Die Kunst der Fuge

Einfache Fugen, Gegenfugen, Fugen mit zwei und drei Themen, Spiegelfugen, vier Kanons, anschließende Quadrupelfuge: Johann Sebastian Bach hat sein Werk Die Kunst der Fuge (BWV 1080) nie vollendet, dadurch aber wiederum Generationen von Musikwissenschaftlern Arbeit verschafft.

Bei weit über 30 Grad im Schatten überquere ich die Brücke in der Pappelallee und trete mit dem rechten Fuß in etwas Weiches. Hocherfreut bin ich, als ich erkenne, dass es sich in diesem Falle nicht, wie sonst in Berlin üblich, um die Endprodukte der Verdauung eines Hundes handelt, sondern um eine physikalische Notwendigkeit. Die zuständigen Bauarbeiter nämlich haben die erforderliche Dehnungsfuge zum Glück sehr wohl vollendet. Nicht auszudenken, hätten sie sich an JSB orientiert: Vermutlich wäre das Bauteil längst in Folge einer Wärmedehnung zerborsten.

Verständlich, dass ich seitdem gern ein Thema in d-moll ungewöhnlich fröhlich vor mich hin pfeife, wenn ich eben jene Brücke sicher überquere. Auf Hundescheiße muss ich natürlich trotzdem achtgeben, die lauert überall.