Lokaljournalismus

Man sagt ja gern, dass die Zukunft des Journalismus im Lokalen liege. Diese Meinung stammt vermutlich von Medienbeobachtern aus Berlin oder Hamburg, die es plagt, dass in ihren sogenannten Medienstädten keine renommierte überregionale Tageszeitung erscheint. Wer allerdings einmal einen Blick in ein Provinzblatt wie der Norddeutschen Rundschau geworfen hat, der wünschte sich nichts sehnlicher als dessen verdienten Untergang und zöge fortan ein paar lieblos umformulierte Agenturmeldungen auf den großen Nachrichtenseiten im Internet vor. Der Untergang ist nicht mehr aufzuhalten, niemand wird die fehlende Berichterstattung über versuchte Eierdiebstähle vermissen.

Post an Wagner: Jetzt wird zurückgeschrieben

BILD, 7. November 2011

Lieber Franz Josef Wagner,

auch Sie haben alles falsch gemacht. Vielleicht wäre es für die BILD leichter, einen Nachfolger zu finden, wenn Sie die Merkmale vorgerückten Alters aufwiesen.

Falsche Themen setzten, irre Thesen aufstellten. Briefe voller Rechtschreibfehler schrieben.

Ihr Brief an Thomas Gottschalk ist der beste, den ich seit langem las. Es waren Zeilen der Liebe, wie sie Paul Celan an Ingeborg Bachmann nicht schöner hätte formulieren können.

Sie haben die Gabe, uns mit Ihren Worten zu fesseln. Ich glaube nicht, dass es einen zweiten Wagner geben wird. Es gibt auch keinen zweiten Goethe, zweiten Schiller.

Martenstein sagte ab, weil er klug ist. Weil Sie klug sind.

Die BILD wird ein leeres Blatt ein leeres Blatt sein. Niemand schreibt mehr Briefe.

Das Blatt ist leer. Ich kann mir nicht vorstellen, dass auf diesen Seiten Rowohlt, Hacke, Moreno, Sonneborn schreiben werden.

Wenn Sie einmal nicht mehr schreiben werden, ist die BILD für mich gestorben.

Herzlichst,

bosch

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Franz Josef Wagner schreibt täglich Briefe. Nun soll er auch einmal Post erhalten.

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