Buridans Esel

Esel

„Die Verzwicktheit des Universums treibt,
scheint’S, einem neuen Maximum entgegen.“

(Arno Schmidt, Zettels Traum)

Im öffentlichen Verkehrsmittel die gefundene Zeitung vom Vortag flüchtig durchblättern und dabei im Politikteil über das Gleichnis von Buridans Esel stolpern. Der Esel steht zwischen zwei gleich großen, gleich weit entfernten Heuhaufen und kann sich nicht entscheiden, welchen er zuerst fressen soll. Schließlich verhungert er. Entschlossen nehme ich die Zeitung erst mit, werfe sie dann aber auf dem Bahnsteig in den Müllbehälter für Altpapier.

Alles renkt sich wieder ein

Naturgemäß wünschen wir uns, dass sich alles wieder einrenkt. Und in schwachen Momenten glauben wir sogar selbst ein bißchen daran, dass es so kommen könnte. Obwohl wir es besser wissen.

Um sie zu necken, unterstelle ich ihr zuweilen, dass sie ja wirklich glaube, dass sich alles wieder einrenke. Obwohl ich weiß, dass auch sie es besser weiß.

Ich will nie wieder Sonnenschein. (Sollte übrigens der Christenmensch in seinem Glauben, dass es ein Leben nach dem Tode gäbe, tatsächlich recht haben, so wäre dies eine riesige Gemeinheit.)

 
Gustav – Alles renkt sich wieder ein

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Dies ist ein Beitrag aus meiner Serie “Der Soundtrack meines Lebens”.

Doppeldeckerbus

And if a double-decker bus
Crashes into us
To die by your side,
Is such a heavenly way to die

(The Smiths)

Sinnlos mit dem Doppeldeckerbus durch die halbe Stadt fahren. Es regnet; durch die Kopfhörer fließen Bachs Goldberg-Variationen direkt in das Gehirn. In seinen Händen ihr Brief – von nah und doch weit weg. Darin das Bild eines Dinges, das ihre Wohnung zierte, und das er manchmal belächelt hat. Unzählige Fragen, aber keine Antworten. Stattdessen ein Thema mit Variationen. Gedankenverloren versäumt er, seinen Haltewunsch anzumelden …