Laufmaschinen

Berlin Fashion Week Catwalk

Mechanisch stakseln sie über den Laufsteg, starr ihr Blick. „Du darfst auf keinen Fall lächeln“, hat man ihnen gesagt, und eisern halten sie sich daran. Lange Schritte, konzentriert setzen sie einen Fuß vor den anderen, während sie mit den Augen einen imaginären Punkt am Ende des Raumes fixieren. Manchmal, wenn man ganz aufmerksam ist, kann man ein kleines Wanken beobachten, wenn sie in ihren schlecht passenden und viel zu hohen Schuhen hin und her rutschen. Für den Bruchteil einer Sekunden haben die Laufmaschinen dann etwas Menschliches.

Aus den Lautsprechern dröhnt elektronische Musik, die wummernden Bässe drohen die viel zu dünnen Mädchen wegzufegen. Kleider werfen keine Falten und Marcel Duchamps Flaschentrockner scheint das Idealbild des weiblichen Modeweltkörpers zu sein: ein Gerippe mit vorstehenden Knochen. Eine naturgegebene knabenhafte Frauenbrust ist keine Tragödie, die mit Silikonkissen bekämpft werden muss – aber eben auch kein Schönheitsideal, das mittels Wattediät heruntergehungert werden sollte. Ob manch ausgemergelter Erscheinung muss ich meinen Blick vom Laufsteg abwenden. Die Frauen seien für Models normal dünn, so meine fachkundige Begleitung. Die Normen müssen sich ändern, denke ich, und möchte die Models füttern. In der kommenden Saison sehen wir auf dem Laufsteg Frauen mit Hüften und Brüsten.

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