Ende der Diskussion

Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg.
(Blumfeld, Verstärker)

Bei gleißendem Sonnenlicht in einem abgedunkelten Aufnahmestudio stundenlang in Kopfsprechhörer reden und unter den Ohrmuscheln beginnen zu schwitzen. Dabei Bier trinken und zahlreiche Gedanken, die nicht die meinigen sind, vorbeiziehen lassen. Gleichzeitig an einem Tisch sitzen und doch woanders sein. Einfach so.

 
Josef Hader – Ende der Diskussion

Die Insignien der Macht

Ein Tag im Mai: Bäumchen wechsle dich. Auf den Fluren des Ministeriums herrscht geschäftiges Treiben, Namensschilder an den Bürotüren der oberen Etagen werden ausgetauscht. Wieder einmal erhält ein neuer Minister zur Begrüßung einen Blumenstrauß. Fotografen der großen Agenturen halten den Amtsantritt möglichst vorteilhaft im Bilde fest, danach geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Der Apparat funktioniert.

Die wahren Insignien der Macht sind preiswert – sie kosten nur ein paar Cent das Stück. Auf dem Schreibtisch des neuen Ministers liegt ein Dutzend billiger grüner Kugelschreiber bereit. Der Herr des Hauses verleiht seinen Anmerkungen in umlaufenden Akten mit dieser Farbe besonderes Gewicht.

Ich besitze übrigens auch einen grünen Kugelschreiber. Nicht, dass mein geschriebenes Wort in einer kafkaesken Bürokratie etwas gälte;  vielmehr ist er ein Andenken an einen angenehmen Abend: Mit diesem Stift hat nämlich einst Max Goldt ein Buch signiert (und auch umgekehrt habe ich – etwas übermütig – mit diesem Max Goldt ein Buch signiert.) In besonders schweren Fällen von Schreibblockade erhoffe ich mir, dass ein Fünkchen Inspiration des Meisters durch die Weihung des Kugelschreibers auf mich überspringen möge. Bislang blieb mein Warten jedoch vergebens.

Das Wort zum Sonntag #14: Zivildienst

Manchmal schreibe ich nicht nur, sondern spreche auch ein paar Worte in ein Mikrofon und stelle das ins Internet. Und weil man das abonnieren kann, nennt sich das Podcast. Das tue ich natürlich nicht allein, weil ich gar nicht so viel zu erzählen habe, und es auch sehr langweilig wäre, mir stundenlang zuzuhören.

Wenn ich mit Sven und Stefan podcaste, dann heißt es “Hamburger zum Mittag”; leider bin ich zuletzt nicht mehr so oft dabei gewesen, da ich zumeist in Berlin weilte.

Weil es aber auch in der Hauptstadt so einiges zu erzählen gibt, habe ich gemeinsam mit Mathias Richel im Juni dieses Jahres “Das Wort zum Sonntag” gestartet. Wir reden dort über alles und jeden. Mal haben wir Gäste, mal sind wir nur zu zweit. So auch bei dieser Folge mit der Nummer 14. Kurz vor Weihnachten wird es etwas besinnlicher. Wir denken uns unsere jeweilige Zeit im Zivildienst zurück:

 

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Wo Wolfgang Schäuble gern Kaffee trinken geht: Balzac Coffee

Balzac Coffee
Filiale von Balzac Coffee im Hamburger Univiertel

Bundesminister des Inneren Dr. Wolfgang Schäuble: “Ich möchte Kaffee trinken.”
Adjutant Dr. Taschenträger: “Ich kenne hier in der Nähe ein sehr schönes Café namens Balzac Coffee. Sie werden sich dort bestimmt wohlfühlen, Herr Minister.”
Wolfgang: “Ist es weit?”
Adjutant: “Nein, ganz nah, es liegt nur wenige Umdrehungen entfernt.”
Wolfgang: “Ist es auch sicher dort?”
Adjutant: “Sehr sicher, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Alle Kunden werden während ihres Aufenthalts dort videoüberwacht. Das Café verfügt über modernste Technik. Die aufgezeichneten Bilder werden sofort mit den biometrischen Reisepassdaten abgeglichen. Sollte ein vermeintlicher Terrorist einen Latte macchiato halbfett mit Sojamilch bestellen, wird vollautomatisch die GSG9 alarmiert. Die Türen verriegeln sich selbsttätig bis zum Eintreffen der Einsatztruppe.”
Wolfgang: “Mhh.”
Adjutant: “Dieses Café hat den Förderpreis für Staatssicherheit des Bundesministeriums für Inneres 2007 und 2008 gewonnen und ist offizieller Sponsor der Innenministerien aller CDU-regierten Bundesländer.”
Wolfgang: “Auch von Hamburg, da regieren doch demnächst die Grünen?”
Adjutant: “Gerade in Hamburg. Hier wurde das Balzac-Imperium schließlich ins Leben gerufen. Es besteht ein direkter Draht zu Innensenator Nagel in Form eines beidseitigen Techniktransfers. Dank des Einsatzes der Videotechnik in der Kaffeehauskette konnte die Videoüberwachung der gesamten Ausgehmeile rund um die Reeperbahn sowie großer Teile des alternativen Stadtteils St. Georg sichergestellt werden.”
Wolfgang: “Das gefällt mir. Was gibt es sonst über diesen Coffeeshop zu berichten?”
Adjutant: “Eigentlich sollte es ja noch ganz vertraulich bleiben, aber Vanessa Kullmann, die Unternehmensgründerin, berichtete mir, dass die Hauptabteilung “Aufklärung” der Cafékette gerade dabei ist, einen Geschirrspüler zu entwickeln, der auf den benutzten Kaffeetassen sowohl die von den Kunden hinterlassenen Fingerabdrücke einliest als auch deren DNA-Spuren speichert. Die gesammelte Datenmaterial wird dem Innenministerium selbstredend zugänglich gemacht.”
Wolfgang: “Und gibt es bei Balzac Coffee auch W-LAN?”
Adjutant: “Selbstverständlich kann man dort kabellos im Internet surfen. Sobald sich ein Besucher des Coffeeshops in das Netz einwählt, wird automatisch der Bundestrojaner installiert.”
Wolfgang: “Ganz wunderbar, gefällt mir sehr, diese Frau Kullmann. Vielleicht sollte ich sie zu meiner neuen Staatssekretärin machen. Gibt es auch etwas Negatives zu berichten?”
Adjutant: “Kürzlich klagte ein Kunde der Kaffeekette gegen die Videoüberwachung. Die Entrüstung darüber hielt sich jedoch nur sehr kurz und ebbte ab, nachdem das Unternehmen vorgab, die Videokameras umgehend zu entfernen. Die Kunden hielten dem Unternehmen die Treue, allen voran die Kreisverbände der Jungen Union und die Neigungsgruppe “Big Brother”. Nach und nach kamen auch die alten Stammkunden zurück, sodass der Wahl Frau Kullmanns zur “Unternehmerin des Jahres” auch diesem Jahr nichts mehr im Wege steht. Ist ja auch alles halb so schlimm, wie das Unternehmen seinen Kunden auf Anfrage mitteilte. Selbstverständlich wurden mittlerweile in allen Filialen Videokameras mit modernster Nanotechnologie installiert, die für das menschliche Auge nicht mehr zu erkennen sind. Schließlich muss die Überwachung weitergehen.”
Wolfgang: “Taschenträger, machen Sie mir einen Termin mit der Dame, ich muss sie unbedingt kennenlernen.”
Adjutant: “Sehr wohl, Herr Minister.”