Himalaya Variations

Tina Tonagel, Himalaya Variations

Da steht sie nun, die sehr dünne Frau in ihrem sehr grünen Cocktailkleid. Es ist eher grün-blau, auf der Fashion Week sagte man sicher, es sei aquamarin. Aber das ist egal. Wichtig sind die zwei Overheadprojektoren, die vor ihr aufgebaut sind. Darüber gespannt: drei Saiten zur Tonerzeugung. Diese werden abwechselnd mit einem Geigenbogen oder Murmeln zum Schwingen gebracht. Auf der Leinwand: rote, weiße und grüne Farbfelder. Es ist eine Performance, es oszilliert, die Frau bearbeitet die Saiten mit Trommelstöcken. Meditative Stimmung: Gern rauchte man jetzt einen Joint, aber es ist gerade keiner zur Hand und außerdem raucht man ja gar nicht. Xylophonartiges Geklöppel unterlegt mit elektronischen Beats, alle starren die Frau an, ein Apparat mit rotierenden Scheiben bringt nun die Saiten zum Schwingen. Auf der Leinwand psychedelische Muster. Der Sound: eine Mischung aus traditionellem chinesischen Obertongesang und Kermit der Frosch. Wabern. Ende, Applaus, kerzengerade steht die Frau vor ihren Overheadprojektoren: schüchtern und verloren.

Über das Rauchen

Well when I’m smoking
Put my worries on a shelf
Don’t think about nothin’
Try not to see myself.

(Nick Drake)

Draußen vor der Tür, bei Wind und Nieselregen, stehen die Kollegen beisammen und ziehen an ihren Zigaretten. Man friert ein wenig und raucht gemeinsam und redet. Es hat etwas Verbindendes.

Später am Abend, in der gemütlichen Kneipe mit dem Kamin, hängen dicke Rauchschwaden in der Luft. Irgendwie gehört das auch dazu. Es stört mich nicht sonderlich, solange meine Augen nicht beginnen zu tränen. Nur der Gestank des erkalteten Rauchs in meiner Kleidung plagt mich am nächsten Morgen.

Sie hat nur ab und zu eine Zigarette geraucht, ganz selten. Es hat sie entspannt, nach einem langen Arbeitstag, sagte sie. Genussvoll sah sie dabei dem Rauch hinterher, den sie nach einem Zug wieder ausatmete. Ich wollte das nicht sehen. Es war weniger die Befürchtung, dass ihre Küsse nach Aschenbecher schmecken könnten, denn das taten sie nie; sondern mehr die Sorge um ihr Wohlergehen, aber das sagte ich ihr nie. Sicher hätte mir etwas mehr Gleichmut gut gestanden.