Sommer, Winter

Nie gäbe man es zu, aber im Grunde ist man doch Romantiker. Wenn der Kitsch der untergehenden Sonne aber zu viel wird und nicht mehr zu ertragen ist, muss man sich einen geschlossen Raum suchen. Am besten eignen sich nicht klimatisierte Räumlichkeiten ohne jegliche Frischluftzufuhr. Dicht gedrängt sitzen hier schwitzende Menschen und lauschen Mädchen, die aus vollkommen zu recht unveröffentlichten Romanmanuskripten lesen, oder Politikern, die mit dem Internet hadern. Selbstkasteiung und Weißweinschorle.

Sich dann nach knrischendem Schnee unter den Füßen sehnen, wohl wissend, dass der Winter naturgemäß auch nicht besser ist, weil ja auch der Kitsch der Winterwunderwelt unerträglich ist. Auf der Flucht vor glühweintrinkenden Massen erneut Räume aufsuchen, die nun überheizt sind, und verzweifeln, weil Menschen auch im Winter immerzu schwitzen müssen. Andere Mädchen lesen aus neuen Romanmanuskripten, die auch nicht besser sind, und die Politik dreht sich immerzu im Kreise.

Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg.

Sommer, Winter

Hafen bei Sonnenuntergang

Hamburger Hafen am 30.08.2008, aufgenommen auf der Barkasse MS Hedi.

Es ist Samstagabend. Eigentlich sollte er jetzt nicht hier sitzten. Hier am Hafen, allein und noch dazu bei Sonnenuntergang. Er blickt einem auslaufenden Schiff hinterher, und gern hätte er jetzt eine Zigarette geraucht. Den Tabak inhalieren und dem Rauch ein wenig hinterherzublicken; das wäre jetzt vielleicht genau das Richtige gewesen. Aber er raucht sonst nie. Gerade in diesem Moment damit zu beginnen, hätte auch nichts besser gemacht.

Hafen bei Sonnenuntergang