Rostiger Stahl und Kaffeehelden aus dem Western-Milieu

Gedenkstätte Berliner Mauer

Trotz Menschen an einem sonnigen, aber kühlen Sonntagnachmittag im Herbst spazieren gehen. Der Luftschöpfung wegen etc. Rostiges Stahl ragt in den blauen Himmel, um der einstigen Teilung der Stadt zu gedenken. Ein kurzer Abstecher in die überfüllte Kaffeerösterei, die nach eigenen Angaben im Besitz der Wahrheit ist – veritas nostra est. Eine gefühlte Ewigkeit auf die Wahrheit warten, der Andrang ist groß, alle wollen sie, naturgemäß. Die Wahrheit wird hübsch verziert serviert, viel hübscher als man es von der Wahrheit hätte erwarten können. – Der Kaffee ist gut. „Don’t die Before Trying“ steht auf dem Schild an der Fassade des Coffeeshops. Ich hake diesen Punkt auf meiner To-do-Liste ab.

Rostiger Stahl und Kaffeehelden aus dem Western-Milieu

Scheinfrühling

Die Luft ist warm
und das Leben sieht bunt aus.
Die einen haben,
gehen mit ihrem Hund raus.
Ich wollt’n Text schreiben
und bin zu Haus geblieben
Ich geh durch die Wohnung mit gemischten Gefühlen,
besteig meinen Thron
und sitze zwischen den Stühlen.

(Blumfeld)

Durch das geschlossene Fenster wirkt dieser Januartag frühlingshaft. Zum Glück ist es kalt draußen, sonst wäre dieser plötzliche Umschwung kaum auszuhalten. Vor dem Nola’s am Weinberg, einem schweizer Lokal in Mitte, sitzt man in Decken gehüllt auf Liegestühlen: Ein kleiner Zauberberg – mit mehr Milchkaffee und weniger Tuberkulose.

Während die einen bemüht sind, die ersten Sonnenstrahlen einzufangen, sind die anderen damit beschäftigt, Dinge komplizierter zu machen. Dieser Frühlingstag ist ein trügerischer Schein – es ist Ende Januar; Winter.

Scheinfrühling