Fußmatte

Einmal wöchentlich kommt der Putzmann, um das Treppenhaus zu reinigen. Mit seinem Mundschutz sieht er aus wie ein Kammerjäger. Er sagte mir, er habe eine Putzmittelallergie. Der Putzmann ist ein angenehmer Mensch, gern wechsle ich ein paar Worte mit ihm. An besseren Tagen bleibt dies die einzige Unterhaltung.

Zur Verrichtung seiner Tätigkeit, stellt er die Fußmatten senkrecht an die Wohnungstüren. Er ist gründlich. Die Fußmatte der Wohnung unter mir bleibt danach manchmal mehrere Tage unberührt. Solange zu fast jeder Tages- und Nachtzeit das lautstarke Schnarchen aus der Wohnung zu vernehmen ist, sorge ich mich nicht um den Nachbarn. Dennoch frage ich mich: Was tut dieser Mensch, wenn er nicht schläft?

Stufen

Wie jede Blüte welkt
und jede Jugend dem Alter weicht,
blüht jede Lebensstufe,
blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

(Hermann Hesse, Stufen)

Morgens auf dem Weg zur Arbeit sitzt mir in der Tram ein Mann gegenüber: Er ist etwa Ende dreißig und liest Hesses Steppenwolf. Zwanzig Jahre zu spät, denke ich. Hesse muss man lesen, wenn man jung ist.

Kurz vor dem Büro: mehr als hundert Stufen. Während ich die Treppen erklimme, gedenke ich einer längst verflossen Liebschaft. Es ist schon lange her – damals las ich Hesse noch mit Vergnügen. Wir schickten einander Gedichte. Unvermeidlich: Hesses Stufen. Eigentlich auch heute noch ein ganz schönes Gedicht (wenn man einmal von dem Quatsch mit dem Weltgeist absieht).