Über das Rauchen

Well when I’m smoking
Put my worries on a shelf
Don’t think about nothin’
Try not to see myself.

(Nick Drake)

Draußen vor der Tür, bei Wind und Nieselregen, stehen die Kollegen beisammen und ziehen an ihren Zigaretten. Man friert ein wenig und raucht gemeinsam und redet. Es hat etwas Verbindendes.

Später am Abend, in der gemütlichen Kneipe mit dem Kamin, hängen dicke Rauchschwaden in der Luft. Irgendwie gehört das auch dazu. Es stört mich nicht sonderlich, solange meine Augen nicht beginnen zu tränen. Nur der Gestank des erkalteten Rauchs in meiner Kleidung plagt mich am nächsten Morgen.

Sie hat nur ab und zu eine Zigarette geraucht, ganz selten. Es hat sie entspannt, nach einem langen Arbeitstag, sagte sie. Genussvoll sah sie dabei dem Rauch hinterher, den sie nach einem Zug wieder ausatmete. Ich wollte das nicht sehen. Es war weniger die Befürchtung, dass ihre Küsse nach Aschenbecher schmecken könnten, denn das taten sie nie; sondern mehr die Sorge um ihr Wohlergehen, aber das sagte ich ihr nie. Sicher hätte mir etwas mehr Gleichmut gut gestanden.

Auf dem Trockenen

Ich bin Nichtraucher. Trotzdem lasse ich mich von der Zigarettenindustrie zu einer Bootsfahrt einladen. “Rauchen kann tödlich sein”, steht auf dem Ticket, aber ich hatte nicht vor, die Abgsase des Schiffsdiesels zu inhalieren.

Samstag, 10. Juli 2010, 11.30 Uhr, Treptower Hafen: etwa zehn größere Ausflugsdampfer stehen bereit, am Checkin eine kurze Warteschlange von überschaubaren 50 Personen – ein Double von Paris Hilton, ein paar tätowierte Jungs und drei Elektromädchen mit goldenem Bier in der Hand. Auf dem Ticket steht auch: “Einlass ab 18 Jahren. Bitte Ausweis mitbringen.”

Meinen Ausweis habe ich leider nicht dabei. Nicht, dass ich mich prinzipiell dieser Bitte widersetzen wollte, wie es vielleicht naheliegend erscheinen mag, sondern weil ich die Identitätskarte schlichtweg vergessen habe. Dennoch: Der Text klang in meinen Ohren eher wie eine Bitte. Wäre ein Personalausweis Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Dampferfahrt gewesen, hätte man als Texter auch schreiben können: “Einlass nur mit Personalausweis”, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass ich an ihn gedacht hätte, etwas größer gewesen.

Wie dem auch sei, es ist mein Fehler, dass ich den Ausweis nicht dabei habe – dennoch hätte ich trotz meines jugendlichen Aussehens damit gerechnet, mit nunmehr 33 Jahren durchgewinkt zu werden, zumal die Promotiondamen am Checkin lediglich einen sehr flüchtigen Blick auf die Dokumente der Damen und Herren vor mir warfen. Aber: Sie haben ihre strikten Anweisungen.

Die Dame hinter dem Schalter kann natürlich nichts dafür, wie meistens niemand etwas dafür kann, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Etwas mehr Flexibilität und Problemlösungskompetenz ist angesichts der Hitze vielleicht auch zu viel verlangt – ich werde wieder nach Hause geschickt. Mir tut meine Begleiterin leid, deren Vormittag ich nun etwas verdorben habe. Aber die Tabakindustrie wird auch trotz Bötchenfahrt baden gehen, wenn das brutalstmögliche Rauchverbot erstmal kommt – und ihre unflexible Promotionbude hoffentlich gleich mit ihr.

Hafen bei Sonnenuntergang

Hamburger Hafen am 30.08.2008, aufgenommen auf der Barkasse MS Hedi.

Es ist Samstagabend. Eigentlich sollte er jetzt nicht hier sitzten. Hier am Hafen, allein und noch dazu bei Sonnenuntergang. Er blickt einem auslaufenden Schiff hinterher, und gern hätte er jetzt eine Zigarette geraucht. Den Tabak inhalieren und dem Rauch ein wenig hinterherzublicken; das wäre jetzt vielleicht genau das Richtige gewesen. Aber er raucht sonst nie. Gerade in diesem Moment damit zu beginnen, hätte auch nichts besser gemacht.

Dies ist kein Jahresrückblick

Aschenbecher
Foto: Sindre-Wimberger unter (Creative Commons by-sa)

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Was jetzt nicht nur gern auf allen Televisionkanälen ausgestrahlt und in allen Gazetten gedruckt erscheint, sind Jahresrückblicke. Ich möchte mir und meinen Lesern einen solchen aber gern ersparen und will stattdessen in die Zukunft blicken. Was bringt uns 2008? Ja, klar: Schleichwerbungsskandale, gescheiterte Politikerehen, eine Hyperinflation und neue Castingshows. Das kennen wir alle bereits, aber was wird sich im kommenden Jahr wirklich ändern? Richtig, das Rauchverbot in Kneipen, Cafés und Restaurants kommt. Hierzu das folgende kleine Gedicht:

Ich sitze in der Kneipe,
und blick durch Rauch zur Seite.
Gern würd’ ich eine rauchen,
und nicht bloß immer saufen.

Im nächsten Jahr wird’s lichter,
dann seh ich die Gesichter.
Kein Qualm ist mehr zu riechen,
doch plötzlich: Menschen miefen!

Ein anderer Gestank
verbreitet sich im Land.
Ich rieche nur noch Schweiß
und denk: Was soll der Scheiß?

Es bringt das Rauchverbot
den Nasen andre Not.
Der Wirt, der stinkt nach Bier
der Zoowärter nach Tier.

Der Trinker riecht nach Schnaps,
Der Bauer stinkt nach Raps.
Der Tankwart riecht nach Diesel,
Der Jäger stinkt nach Wiesel.

Wie schön es damals war,
noch im vergangnen Jahr.
Der Duft von Tabakwaren,
er lag in Kleid und Haaren.

Langsam wird mir bewusst,
Nichtrauchen, das macht Frust.
Denn heute stinkt’s viel mehr –
wer ahnte das vorher?

Wie gern zündete ich mir jetzt noch eine letzte Zigarette an, aber ich bin ja Nichtraucher. Stattdessen werde ich mir ein Reimlexikon kaufen, um Assonanzen künftig zu vermeiden. Dann gibt es im kommenden Jahr nicht nur rauchfreie Kneipen, sondern auch reine Reime.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern einen geschmeidigen Übergang in das neue Jahr, alles Gute und Rauchfreiheit für 2008.