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Editorial

Sommer, Winter

Nie gäbe man es zu, aber im Grunde ist man doch Romantiker. Wenn der Kitsch der untergehenden Sonne aber zu viel wird und nicht mehr zu ertragen ist, muss man sich einen geschlossen Raum suchen. Am besten eignen sich nicht klimatisierte Räumlichkeiten ohne jegliche Frischluftzufuhr. Dicht gedrängt sitzen hier schwitzende Menschen und lauschen Mädchen, die aus vollkommen zu recht unveröffentlichten Romanmanuskripten lesen, oder Politikern, die mit dem Internet hadern. Selbstkasteiung und Weißweinschorle.

Sich dann nach knrischendem Schnee unter den Füßen sehnen, wohl wissend, dass der Winter naturgemäß auch nicht besser ist, weil ja auch der Kitsch der Winterwunderwelt unerträglich ist. Auf der Flucht vor glühweintrinkenden Massen erneut Räume aufsuchen, die nun überheizt sind, und verzweifeln, weil Menschen auch im Winter immerzu schwitzen müssen. Andere Mädchen lesen aus neuen Romanmanuskripten, die auch nicht besser sind, und die Politik dreht sich immerzu im Kreise.

Jeder geschlossene Raum ist ein Sarg.

3 Antworten auf „Sommer, Winter“

Wenn jeder geschlossene Raum ein Sarg ist, ist dann jeder darin tot?

Direkt da, wo Du das schöne Bild aufgenommen hast und ich in der Nähe wohne, gibt es ja aber wenigstens keine Räume, in denen Unveröffentlichtes vorgelesen wird.

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