Peter Handke: Antiquariat und Film

Peter Handke, Der Hausierer

Im Antiquariat brennt noch Licht, obwohl es bereits spät ist. Ein Touristenpaar verirrt sich hinein, ich folge ihnen, der kundige ältere Herr in dem Neuköllner Ladengeschäft empfiehlt ihnen dieses und jenes.

Kürzlich habe ich den Dokumentarfilm Bin im Wald. Kann sein, daß ich mich verspäte. gesehen. In den sehr langen Einstellungen passiert erfreulich wenig: Peter Handke putzt Pilze, fädelt Fäden ein (ungeschickt), sägt einen Ast, serviert Suppe, liest Zeitung, hämmert auf einer mechanischen Schreibmaschine, sitzt vor dem Haus (barfuß), spitzt einen Bleistift, geht spazieren (Paris). Dabei bekommt man einen Einblick in die Gedankenwelt des Schriftstellers („Wie das geht, mein lieber Herr. Was ist Prosa? Weiß man nicht, wie’s geht. Man hat irgendwas in sich.“) Das war schön. Jedenfalls so schön, dass ich wieder Handke lesen möchte.

Im Antiquariat ergreiffe ich einen dünnen Band – Der Hausierer. „Macht einen Euro“, sagt der Antiquar. Ich antwortete, dass das zu wenig sei und handle den Preis auf zwei Euro hoch. Zu Hause angekommen lege ich das Buch auf den Stapel der ungelesenen Bücher (hoch).

16 Antworten auf „Peter Handke: Antiquariat und Film“

  1. Wie schön zu wissen, dass der eigene, oft als langatmig empfundene Lebensstil sich kaum vom (unfetzigen!) Lebensstil des (fetzigen!) Schriftstellers unterscheidet und man mit der eigenen Unfetzigkeit der allgemeinen, unaufmerksamen Hastigkeit nun etwas zu entgegnen glaubt – gemeinsam mit PH. 😉
    Und was hat der Antiquar zum Hochhandeln gesagt?

    1. @Stefan: Er war nur leicht erstaunt. Machte eine kleine „Handelsvertreter“ Bemerkung und nahm das Hochhandeln ohne größere Jubelbekundung zur Kenntnis.

      Was PH vielleicht zum Glück fehlt: Ein Schaaf. Oder zwei.

  2. Danke für diesen Beitrag, sehr schön geschrieben. Ich werde mich sogleich mal auf die Suche nach dem Film machen, kann man den irgendwo streamen?

  3. @LiFe: na ja, alte Männer und so… nur dass mir der Handke mir mit seiner Frauenfeindlichkeit und seiner pro-serbischen Milosevic – Unterstützung tierisch auf den Senkel geht. Nicht zu fassen, dass er immer noch irgendwo ein Thema ist! Meine Bücher von Ihm sind nicht im Antiquariat gelandet, sondern in der Mülltonne.

    1. Wie sagte es Daniel Barenboim, der immerhin Richard Wagners „Tristan und Isolde“ in Israel aufgeführt hatte…..Musik ist nicht ideologisch, ich denke das gilt auch für Literatur

    1. @Schalttagskind: Ich bin sicher, er hätte es gern getan. Allerdings sah es so aus, als liefen die Geschäfte so, dass er es sich nicht erlauben konnte. Ich hoffe, der Laden ist noch da, wenn ich das nächste Mal vorbeikomme. Sonst muss ich da einen Smoothie trinken oder so.

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