Warenwelten #1: Einkauf mit Frau

Ein etwa siebenjähriger Junge begleitet seine Mutter widerwillig in ein Warenhaus. Die Mutter wünscht, in der Wäscheabteilung einen BH zu erwerben, welcher ihre Brüste in möglichst vorteilhafter Form präsentiert. Den Jungen interessiert die Präsentation von Brüsten, zudem noch die seiner Mutter, naturgemäß wenig.

Viele Jahre später, wenn der Stimmbruch überstanden ist, die Barthaare sprießen und auch das Interesse für vorteilhaft präsentierte Brüste zugenommen hat, wird er als Mann an der Seite seiner Holden an den noch immer ungeliebten Ort zurückkehren. Er wird dann in einem unbequemen Sitzmöbel platznehmen und mit seinen dort bereits seit Stunden ausharrenden Leidensgenossen kein Wort wechseln. Dafür wird er alle zwei Minuten abwechselnd einen Blick auf seine Armbanduhr und auf seine sich unendlich oft umkleidende Liebste werfen. Seine Ungeduld wird im gleichen Maße zunehmen wie die durch Einkaufsgenuss hervorgerufene Glückseligkeit seiner Begleiterin. Gleichzeitig wird er sich über den in der Herrenwarteecke aufgestellten Trinkwasserspender ärgern, denn dieser ist entweder leer oder verkeimt. Sollte beides einmal nicht zutreffen, und und sich der Mann bereits auf die Zufuhr eines kühlen Trunks freuen, um der bereits einsetzenden Dehydrierung in der Einkaufswüste entgegenzusteuern, dann werden ganz bestimmt die Einwegbecher fehlen.

In diesem Moment wird ihm dann das erste Mal bewusst werden, dass die einzigen Jahre, in denen ein Mann so richtig frei ist, diejenigen zwischen Grundschulalter und dem Beginn der ersten festen Beziehung sind – die wenigen Jahre im Leben eines Mannes, in denen keine Frau zum Einkauf begleitet werden muss. Aber davon ahnt der kleine Junge jetzt noch nichts.

22 Antworten

  • Männer brauchen nicht lange zum Einkaufen. Männer wissen, was sie wollen. Rein, anprobieren, einpacken, raus. Den Einkauf künstlich in die Länge zu ziehen ist da nur eine Qual für den Mann.

  • Besonders unangenehm ist es für den Mann, wenn er die Wartezeit nicht stoisch sitzend verbringt, sondern die Minuten, die die Liebste zum Umziehen braucht, dazu nutzt, weitere Wäscheprodukte anzusehen, um der Liebsten schnell neue Vorschläge machen zu können, mit welchem Hauch von nichts sie sich als nächstes bekleiden soll. Damit gewinnt er vielleicht weitere Sympathiepunkte bei der Liebsten, aber reichlich schiefe Blicke von anderen Damen: Die Liebste befindet sich in der Kabine, er ist keinem Weibchen in der Abteilung zuzuordnen und wird mit dem Stigma des perversen Spanners gezeichnet.

    Er hat es nicht leicht, der Mann.

  • Den Zwang des Mitkommens und ihn da unter Druck zu setzen, weiß Frau schon zu veranlassen.

    Klar gibt es so gesehen keinen „Zwang“, aber dann gibt es reichlich von dem einem, was Mann am aller meisten in der Beziehung fürchtet und weniger bis gar nichts, was sich Mann in einer Beziehung erhofft ;-)

  • Oh ja, hier spricht ein wahrer Kenner der Materie. Dennoch mein Rat, begleite eine Frau nie zum Einkaufen und nimm sie nicht mit, wenn Du einkaufen willst.
    Männer und Frauen können nicht gemeinsam einkaufen!

  • Männer und Frauen passen überhapt nicht zusammen. Das gilt nicht nur fürs Einkaufen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch – ich bin nicht so. Aber das sogenannnte „Normale“ ist doch schon unangenehm genug.

  • Ich komme gerade vom Shoppen aus der Innenstadt. Ich hatte mir den Tag rot angestrichen. das kommt nicht zu oft vor. Ich wollte mir ein Sakko, eine Hose und einen Pullunder kaufen. Ganz normal. Mit meiner Frau. Zurückgekommen sind wir mit einer Klamottentüte für die Kinder und einigen Kleinigkeiten für miene Frau. Gleich vom Parkplatz gings in die Kinder und Frauenabteilungen. bei den Männern war ich insgesamt veilleicht 15-20 Minuten. Nix gefunden. Männerschicksale. Jetzt bedauert mich mal alle bitte ganz doll.

  • @Cem: Mein Beileid ist Dir gewiss. Vielleicht solltest Du es noch einmal ohne Frau probieren? Also nur das Einkaufen, meine ich.

    Aber wie versuchten uns die zahlreichen Kommentatoren hier schon zu lehren: Im Prinzip sind das selbstgemachte Leiden.

  • Es kommt schon darauf an, was man da letztenendes für eine Frau ist und welcher Typ man selber ist.

    Bei Frauen, die darauf bestanden (natürlich nur wegen der Gemeinsamkeit), dass man als Mann immer dabei sein sollte und dies gerne über einen 26 Stunden Tag, sagte ich nur, dass es kein Problem sei. Dann würde ich sie gerne ebenso das kommende mal (natürlich auch hier wegen der Gemeinsamkeit), bei meiner Shopping-, Schaufenster-, Produktbetrachtungstour in die Computerläden, Hifi-Abteilungen, Elektronik-Geschäften, Motorradgeschäften usw. mitnehmen. Natürlich auch für einen 26 Stunden Tag.

    Danach wurde plötzlich gar nicht mehr so beharrlich auf meine Anwesenheit beim Shoppen bestanden ;-)

  • Ich persönlich finde es höchst anstrengend mit einem gelangweilten Mann einkaufen zu gehen, hat ja nicht jedes Kaufhaus die Möglichkeit selbigen zu „parken“ bis man sich in Ruhe die Auswahl angesehen hat.
    Mittlerweile sind wir bei einem Kompromiss gelandet – ich treffe allein die Vorauswahl und wenn ich unsicher bin dann muss er mit, ohne Murren aber dafür in Männer-Einkaufs-Geschwindigkeit ;)

  • Hhm, also mein Senf dazu:

    Für mich gehe ich immer allein einkaufen. Ich will meinen Mann weder nerven noch langweilen, was aber unweigerlich geschieht, wenn ich mich nach Dingen umschaue, die mich interessieren. Also Kleidung, Bastelzeugs, Stifte, Bücher. Meist bringe ich ihm etwas mit, Shirts etwa oder eine Kleinigkeit, die er selbst wahrscheinlich völlig vergessen hätte zu kaufen, deren Besitz und Benutzung er aber genießt.

    Äußert der Mann hingegen den Wunsch, etwas zu erwerben, sei es einen neuen Pullover, Jeans, Geschenke für besondere Menschen, Anschaffungen, die uns beide betreffen, komme ich mit und stelle zu unser beider Wohl meine in langen Jahren des Alleinshoppens (!) erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten zur Verfügung. Ich weiß, in welcher Bekleidungskette wir etwas für seinen Geschmack finden könnten, über was für Dinge sich seine Mutter oder Kollegin freuen könnte oder auch, wann wo wenig los ist, damit er nicht noch mehr Streß ausgesetzt ist als ohnehin schon beim Einkaufen. Dabei ist es für mich zwar sehr schwierig, nicht eben mal loszulaufen und „nur mal schnell“ irgendetwas anzusehen oder zu probieren, aber nach einigen Jahren kennt man die Geduldsspanne des Partners sehr genau: Die des Karpaten ist nur eben so groß, daß man das Gewünschte erledigt und kurz vor dem Punkt des Entnervtseins fertig wird.

    Nach solchen Shoppingtrips mit Mann sollte man den Liebsten ganz in Ruhe vor dem Fernseher oder PC entspannen lassen, am besten für zwei, drei Stunden so behandeln, als wäre er erkältet, Teechen reichen oder Schnittchen und sich insgeheim (nicht darüber reden, oh nein, bloß nicht! Todsünde!) vornehmen, am nächsten Tag ganz in Ruhe und allein das anzusehen, was man vorhin aus dem Augenwinkel erspäht hat.

    Aber das ist, wie gesagt, nur mein Senf. ;-)

  • Ich habe 2x „als Mann an der Seite seiner Hoden … zurückkehren“ gelesen und fand dieses entstehende Bild des hormondominierten Anhängsels so gut, daß ich bei der dritten Lesung etwas enttäuscht war.
    Einen herrlichen Beraternachmittag habe ich vor 3 Jahren auf einem Begleitungssofa vor den Umkleidekabinen verbracht, einen opulenten Blumenstrauß neben mir liegend.

    @Julie: Willst Du nicht einen „shopping escort service“ gründen? Garantierte Marktlücke.

  • Weiblein und Männlein passen nun mal überhapt nicht richtig zusammen. Das gilt nicht nur fürs Einkaufen. Versteht mich bitte nicht falsch – ich bin nicht so. Aber das sogenannnte Tägliche ist ja dann doch schon unangenehm genug.

  • Vielleicht sollte man Alice Schwarzer doch wieder mal zu Wort kommen lassen…

    Ein Einwurf aus einer gesellschaftlichen Randgruppe: als homosexueller, Münchner Einkaufsmuffel kann ich euch bestätigen: Auch Männer unser sich passen in dieser Hinsicht keineswegs zueinander…

    Daher ein Plädoyer für gut gemachte Onlineshops und kompetente Einkaufsberater!

    LG, Frank

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