Roundabout

Man merkt schon, dass was im Busch ist. 15-20 Fahrradfahrer versammeln sich am Rande des Kreisverkehrs, einer redet auf die anderen ein, ein anderer hält in der Hand ein selbstbemaltes Schild. Klima retten!

Dann fährt einer nach dem anderen langsam in den Kreisel, aber es sind dann doch zu wenige Radfahrer, um den Verkehr wie geplant dauerhaft zum Erliegen zu bringen. Als ein Lastwagenfahrer sich mit größter Rücksichtslosigkeit den Klimarettern gegenüber Zufahrt verschafft, brechen die Rebellen ab.

Der Widerstand war noch zu schwach. Aber so fängt es ja immer an.

Und was machst Du so?

Zu einem ganz unvermuteten Anlass einen alten Freund wiedererkennen, den man nun schon über zwanzig Jahre nicht mehr gesehen hat. Nicht ganz sicher sein, ob er es wirklich ist, dann aber doch dazu tendieren, dass es sich bei dem bekannten Gesicht, das naturgemäß deutlich gealtert ist, tatsächlich um ihn, den alten Freund handelt. Dann so lange darüber sinnieren, ob und wie man den Kontakt aufnehmen solle, bis dann das gemeinsame Ereignis endlich vorüber ist. Schließlich sehr froh sein, dass die an dieser Stelle übliche verdruckste Und-was-machst-Du-so-Konversation mit anschließender niemals zustandekommender Verabredung zu einem Heiß- oder Kaltgetränk nicht stattgefunden hat. Man hat einander doch nichts mehr zu sagen. Alles richtig gemacht.

Ausgesetzt

Frei erfundene Geschichten zu zufällig gefundenen Fotografien sind ja auch so ein literarischer Gemeinplatz. Unzählige Schriftsteller haben sich daran versucht, aber niemand will das lesen.

Und doch juckt es in meinen Fingern, als ich die Fotografie von dem alten Paar und ihrem Hund entdecke. Leicht gebückt stehen sie nah beieinander, sie (mit Faltenrock) legt ihm (im Altemännerpullover) den Arm sanft um die Schulter, zu ihren Füßen ein treudoof blickender Golden Retriever. Alle lächeln, das Paar weil es fotografiert wird, der Golden Retriever, weil es sein natürlicher Gesichtsausdruck ist. Im Garten wächst gemeiner Rhabarber und stehen mehrere aus Holz geschnitzte Skulpturen.

Was mag ihre Geschichte wohl sein? Und vor allem – das Traurige daran ist die Metaebene – warum steht dieses gerahmte Bild so verloren in einem Hauseingang auf St. Pauli?

Ich weiß es nicht. Und werde es wohl auch nie erfahren.