
„Wie heißen diese Beeren auf Deutsch?“ fragt die ältere Frau mit dem Fahrrad. Die orangenen Früchte sehen aus wie kleine Äpfel und hängen an stark bedornten Zweigen. Stadtmenschen wissen so etwas naturgemäß nicht, aber haben zur Bestimmung von Pflanzen eine App. „Man kann sie essen“, sagt die Frau, während ich mein Smartphone zücke. „Feuerdorn, sie heißt Feuerdorn.“ „Feuerdorn?“, die Frau schaut mich enttäuscht an.
„Was heißt Feuerdorn auf Polnisch?“ Da ich noch weniger polnische Wörter als Pflanzen kenne, bemühe ich erneut mein kluges Telefon. „Ognik“, antworte ich. „Kann man die essen?“, fragt sie, während sie einen kleinen Strauch Ognik pflückt. „Sie sind ungenießbar. Die Kerne enthalten Blausäure“, antworte ich fachkundig tuend. „Dann lieber nicht“, flötet sie und fährt auf ihrem klapprigen Drahtesel davon.
Die Beeren sind eher unbekömmlich als gefährlich. Das wird die Frau nun nie erfahren, aber das ist nicht so schlimm. Sie hat sich nicht vergiftet und ihr ist keine Köstlichkeit entgangen.


