Chemtrails

Ob ich Englisch könne, fragt mich der Mann auf der Straße, ich versuche es immer wieder, so ich. Ich erwarte, dass der Mann sich nach einem Weg erkundigt, stattdessen fragt er, ob ich wisse, warum es jetzt in Altona plötzlich zehn Grad kälter als noch am Tag zuvor sei. Ich zucke mit den Schultern, er schaut mich an und sagt: Chemtrails. Ob ich denn wisse, was das sei, nur fällt mir in diesem Moment gerade der englische Begriff für Verschwörungstheorie nicht ein und ich sage: Bullshit. Daraufhin holt er zu einem Vortrag über das absichtliche Ausbringen von Chemikalien durch Flugzeuge aus, den ich glücklicherweise nach sehr kurzer Zeit unterbinden kann. Ich lächle und wünsche dem Mann alles Gute, er lächelt zurück und schüttelt mir die Hand. Das gesuchte Wort heißt conspiracy theory.

Karstadt

Sogenannter Konsumtempel

Das letzte Wirtschaftswunder ist nun auch schon wieder 50 Jahre her. Da wundert es einen, dass sich früh am Morgen vor den noch verschlossenen Türen des Warenhauses ein paar Konsumfreudige die Beine in den Bauch stehen, als gäbe es kein Amazon. Andererseits beruhigt es ungemein, den sogenannten Konsumtempel an zentraler Stelle in der Innenstadt zu wissen. Denn wo, wenn nicht hier, sollte man einkehren, wenn es einen ganz plötzlich nach Regenschirmen, Aktenkoffern, Kniestrümpfen oder Kurzwaren gelüstet?

Vor über 30 Jahren gab es noch eine Abteilung für Tiere. Also nicht bloß Tiernahrung ohne Rabatt, sondern lebendige Kleintiere in Käfigen. Onkel Paul hat mir damals einen grünen Wellensittich gekauft, der naturgemäß Hansi hieß, wie alle grünen Wellensittiche Hansi hießen. Heute gibt es keine Kleintiere mehr bei Karstadt. Aber auch kaum noch Filialen und Kunden.

Winter

Nun ist er plötzlich da, der Winter. Ganz ohne Lawinen wie in Bayern zwar. Aber doch mit etwas Schnee und ganz viel Kälte. Und Eis, das uns, für ein paar Stunden nur, wackeln lässt wie Pinguine.

Scharbeutz

Dann kurz bevor das Jahr sich dem Ende zuneigt, doch noch einmal ans Meer fahren und sich den Aushilfsstrandkorbvermieter im Winter als einen glücklichen Menschen vorstellen. Wie schön das wäre, einmal nur Aushilfsstrandkorbvermieter im Winter zu sein.

Stattdessen aber einfach nur in der Lübecker Bucht spazieren gehen – von Scharbeutz nach Timmendorfer Strand und weiter nach Niendorf. Oder in die andere Richtung nach Haffkrug. Durchatmen, dem Rauschen der Wellen lauschen und auf die Ostsee starren. Und sich zum ersten Mal darüber wundern, wie groß Möwen eigentlich sein können. Keine grazilen gefiederten Freunde, sondern richtige Oschis.