Dialoge heute

Ich steige aus der U-Bahn. Am Ausgang der Station kommen zwei schwarzgekleidete junge Damen mit Namensschildern, die sie als Missionare der „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“ aka Mormomen identifizieren, auf mich zu.

Dame 1: „Guten Tag. Wir möchten uns mit Ihnen über den Glauben unterhalten.“
Ich: „Das trifft sich gut.“
Dame 2: „Wir glauben an den heiligen Herrgott.“
Ich: „Ich glaube, dass mein Bus gleich abfährt.“
Dame 1: „Vielleicht können wir uns ein anderes Mal unterhalten?“
Ich: „Bestimmt, aber ich muss nun wirklich los. Tschüs.“

Während ich wenig später im Café sitzend darüber sinniere, ob ein abfahrender Bus wirklich wichtiger ist als ein Gespräch über Gott, gerate ich mitten in einen der gefürchteten Schichtwechsel.

Bedienung: „Wir haben Schichtwechsel. Du bist der letzte Tisch, der noch nicht abkassiert ist.“
Ich: „Ich bin gar kein Tisch. Ich bin ein Gast.“
Bedienung (wendet sich irritiert an ihre Kollegin): „Was ist denn auf dem Tisch?“
Ich: „Auf dem Tisch befindet sich eine Kaffeetasse und ein Glas Wasser.“

Ende.

20 Antworten

  • Du würdest dich gut mit meinem ehemaligen Mitbewohner (Mathematiker, genauer: Logiker) unterhalten können. Immer wieder gern eingesetztes Gesprächselement:

    Ich: „Kaffee?“
    Er: „Ja, das ist welcher.“

    Bisher dachte ich übrigens, dass die Mormonen nur ihre Jungmänner auf Werbetour schicken würden. Interessant.

  • @dave

    also mich stören so leute die einen auf der strasse ansprechen echt mehr. bei kellnerinnen kann man es ja noch verstehen, weil von denen wollen wir ja auch was, indem wir uns von ihnen bedienen lassen…

  • Wirklich lustig, solche Menschen. Allerdings auch unglaublich nervig. Genauso, wie diese Sos-Kinderdorf-Menschen, die letzte Woche vor Saturn standen >_>

  • Update:

    Kurz nach dem ich bezahlte, suchte die Kellnerin noch einen Tisch Gast, der einen Tee bestellt hatte. Lautstark frug sie in den Raum hinein: „Wo ist denn der Tee?“ Darauf antwortete ein anderer Gast, der meinen Bezahldialog offensichtlich mitbekommen hatte: „Den hast Du in der Hand.“

    Ob dies zu einem Lerneffekt geführt hat, werde ich in den nächsten Tagen kritisch beobachten.

  • Ich wurde einmal am Hauptbahnhof angesprochen, ob ich Angst vorm Tod habe.
    Als ich jegliche Angst vor dem Tod negierte, waren die Rekrutierer derart überrascht (die haben wohl nur mit der positiven Antwort gerechnet), dass sie einfach das Weite suchten, ohne dass ich irgendwie eingriff :-)

  • unter dem blickwinkenl, dauraus später eine geschichte machen zu können, sollte man sich doch einfach mal mit solchen gottesanbeterinnen unterhalten. stimmt. oder für ganz fortgeschrittene: mit promotern der tageszeitung und versuchen, sie in ein persönliches gespräch zu verwickeln^^

  • Ich finde die Missionare und -innen faszinierend. In 99,99% aller Fälle bekommen sie eine Abfuhr, aber sie geben nicht auf, der Eifer läßt nicht nach. Was könnten diese Menschen leisten, wenn sie ihren Elan auf sinnvolle Tätigkeiten lenkten? Und ja, der abfahrende Bus ist meist wichtiger als ein Gespräch über Gott. Was die Kellnerin angeht, so bin ich in der letzten Zeit zu der Erkenntnis gekommen, dass man das Kellnern nicht lernen kann, dafür muss man geboren sein.

  • Vor Jahren von einer Kellnerin zu mir gesagt, immer noch schön: „Waren Sie das Würstchen?“
    Leider viel mir nicht so eine gute Antwort ein, ich sagte wider besseres Wissen: „Ja.“

  • Die KellnerInnen:
    Ich verstehe auch nicht, warum die so ein „Imbissdeutsch“ reden. Ich stand auch monatelang „an der Friteuse“ in einem – sagen wir mal – offenen Restaurantbereich. Die Gäste scherzten dann auch manchmal: „Ich bin die Currywurst.“ Ich entgegnete dann: „Nee, bei uns sprechen wir nicht so…“ lächelte aber mit, weil das gutgelaunte Keep-on-smiling eben auch dazugehört. Ehrlich gesagt, war mir das manchmal völlig egal, was die Gäste gerade für Spiele spielen wollten, weil sie den Stress und die Arbeitsabläufe eh nicht verstanden haben, wenigstens ich konnte ihr Essen schnell fertig machen.
    Ich wäre aber flexibel genug gewesen, um das Wortspiel mit dem Tisch zu kontern zumal bei Schichtende – da ist man doch eigentlich wieder gut drauf.
    Die Ansprecher:
    Ein ca. 17jähriger will mich für die Drogentherapien der AWO werben. Er redet und redet und ich sehe, dass ich hier so schnell nicht rauskomme. Er redet in einer Tour und wartet gar nicht auf Antworten.
    „Das ist doch gut, oder?“ „Ist ja auch wichtig, das sowas gemacht wird, oder?“
    Nach 1-2 Minuten sage ich:“Also sorry, ich muss dir aber sagen, ich unterschreibe oder spende hier und jetzt aber nichts…“
    Ich weiß nicht, ob ich es mir einbildete, aber seine Lippen formten ganz kurz ein Wort mit W-i-c-h-…

  • Da fällt mir auch noch was ein.
    Am Hauptbahnhof (da finden ja meistens solche Begegnungen statt) sprach mich eine Bettlerin an, sie bat um Geld, und zwar mit einer tränereichen Stimme, ungefähr nach dem Motto „Ach, was macht Dir die 50 cent, ich habe aber eine Grossfamilie zu versorgen“ etc. Ich stand aber vor der Anzeigetafel, habe nach meinem Zug gesucht und konnte sie nicht so richtig loswerden. Doch dann war’s mir zu viel, und ich sagte zu ihr ruhig aber entschieden: „Nein“.

    Und die Maske der Bettlerin ist inmitten ihres Satzes verschwunden. Das klang ungefähr so: (den ersten Teil bitte tränenreich und verzweifelnd sprechen): „Ach bitte, aber nur 50 cent, aber bi…DANN LECK MICH AM A*“. Und ging, und verliess mich in einem seltsamen Zustand der schockierten Verwunderung.

  • Der Restaurant Dialog regt wirklich zum schmunzeln an. Ich bin das in so einer Situation leider schon zu sehr gewohnt in solchen Lokalitäten so angesprochen zu werden als das mir da eine gute Antwort einfallen würde, aber nach dem lesen deiner Situation wird’s vielleicht beim nächsten mal was :)

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