Auf dem Trockenen

Ich bin Nichtraucher. Trotzdem lasse ich mich von der Zigarettenindustrie zu einer Bootsfahrt einladen. „Rauchen kann tödlich sein“, steht auf dem Ticket, aber ich hatte nicht vor, die Abgsase des Schiffsdiesels zu inhalieren.

Samstag, 10. Juli 2010, 11.30 Uhr, Treptower Hafen: etwa zehn größere Ausflugsdampfer stehen bereit, am Checkin eine kurze Warteschlange von überschaubaren 50 Personen – ein Double von Paris Hilton, ein paar tätowierte Jungs und drei Elektromädchen mit goldenem Bier in der Hand. Auf dem Ticket steht auch: „Einlass ab 18 Jahren. Bitte Ausweis mitbringen.“

Meinen Ausweis habe ich leider nicht dabei. Nicht, dass ich mich prinzipiell dieser Bitte widersetzen wollte, wie es vielleicht naheliegend erscheinen mag, sondern weil ich die Identitätskarte schlichtweg vergessen habe. Dennoch: Der Text klang in meinen Ohren eher wie eine Bitte. Wäre ein Personalausweis Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Dampferfahrt gewesen, hätte man als Texter auch schreiben können: „Einlass nur mit Personalausweis“, dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass ich an ihn gedacht hätte, etwas größer gewesen.

Wie dem auch sei, es ist mein Fehler, dass ich den Ausweis nicht dabei habe – dennoch hätte ich trotz meines jugendlichen Aussehens damit gerechnet, mit nunmehr 33 Jahren durchgewinkt zu werden, zumal die Promotiondamen am Checkin lediglich einen sehr flüchtigen Blick auf die Dokumente der Damen und Herren vor mir warfen. Aber: Sie haben ihre strikten Anweisungen.

Die Dame hinter dem Schalter kann natürlich nichts dafür, wie meistens niemand etwas dafür kann, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es funktionieren sollte. Etwas mehr Flexibilität und Problemlösungskompetenz ist angesichts der Hitze vielleicht auch zu viel verlangt – ich werde wieder nach Hause geschickt. Mir tut meine Begleiterin leid, deren Vormittag ich nun etwas verdorben habe. Aber die Tabakindustrie wird auch trotz Bötchenfahrt baden gehen, wenn das brutalstmögliche Rauchverbot erstmal kommt – und ihre unflexible Promotionbude hoffentlich gleich mit ihr.

4 Antworten

  • Darf ich fragen, was einen Nichtraucher dazu bewegt, einer Einladung der Rauberlobby zu folgen? Ist so ein bißchen wie ein Nichtraucher, der eine Raucherkneipe besucht und sich dann echauffiert, dass „alles so stinkt“.

    Herr bosch, ich vermute keinen Militanten hinter Ihnen, allein die Verlinkung auf diesen schlechten Artikel trieb mir bereits das Nackenhaar wieder in die Senkrechte.

    • @Jekylla: Es war die Verlockung einer Bootsfahrt unter freiem Himmel. Eigentlich ja ein ganz gewöhnliches Event mit Musik und so (siehe Link oben) – nur dass es halt von der Tabakindustrie gesponsert wurde.

      Wie nie im Kino den Marlboro-Mann reiten sah und sich währenddessen nicht darüber freute, dass die Kinokarte nicht 20 Mark kostete, der werfe die erste Schachtel Zigaretten.

      • Ach ja, richtig, noch darf man ja unter freiem Himmel noch rauchen. Und am Marlboro-Mann im Kino freute ich mich, noch selbst dabei eine Marlboro rauchend, und war seither etwa so oft im Kino, wie ein Euro in zwanzig Mark geht.
        Ich ertrage diese Tütenraschler so schlecht ;-)

  • Du schaust einfach jünger als 18 Jahre aus. Sieh das Ganze als Kompliment.
    Egal, ich hoffe ihr konntet den Tag noch anders verbringen und hattet euren Spaß.

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