Sprudel

An einem lauen Sommerabend sitzen wir zusammen im Café und bestellen eine Flasche Wein und eine Flasche Wasser. Während beim Wein die größte Einigkeit besteht – wir trinken Weißwein, kein ausgezeichnetes Spitzenprodukt, aber immerhin den teuersten, der auf der Karte steht – diskutieren wir über das Wasser und bestellen schließlich, weil sie es so möchte, Wasser mit Kohlensäure. Leider schmeckt der Wein nicht, wir können es nicht genau beschreiben, aber er ist zu warm und verfügt über eine muffige Beinote. Hätten wir nur ein Glas des schlechten Weines klaglos heruntergespült, so ist uns dies mit einer ganzen Flasche unmöglich, und so veranlasst sie mit ihrem ganzen Charme, uns eine neue Flasche bringen zu lassen. Abgesehen davon, dass der Wein zu warm sei, hat er einen unschönen Geschmack, so sie, die im Gegensatz zu mir über einen ganz ausgezeichneten Geschmackssinn verfügt, zu der etwas ungläubigen Kellnerin. Wir hätten schon eine Menge Grauburgunder getrunken, aber keiner war so unzulänglich wie dieser, woraufhin uns die Bedienung eine neue Flasche an den Tisch bringt. Auch dieser Tropfen ist wahrlich kein Katapult in den Weinhimmel, aber immerhin wohltemperiert und trinkbar. Und so trinken wir und reden über dieses und jenes, wie man es zu tun pflegt, wenn man bei einer Flasche Wein beieinander sitzt. Ist mir nach diesem Abend weniger der Wein erinnerlich, so möchte ich, nachdem ich Wasser mit Kohlensäure jahrelang mit der größten Verachtung gestraft habe, seitdem immerzu kühles Sprudelwasser trinken.

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