Christina Aguilera testen

Christina Aguilera

Gedankenverloren schlenderte ich durch die Filiale eines namhaften Warenhauses, das für seine mittelmäßigen Waren zu mittelmäßigen Preisen bekannt ist. Plötzlich stellt sich mir etwas in den Weg, von dem ich mir etwas mehr Mittelmäßigkeit gewünscht hätte. Eine unförmige ältere Frau mit blondgesträhnter Kurzhaarnachvornfönfrisur und einer wurstpellenartigen weißen Jeans krächzt mir zu:

„Auch mal Christina Aguilera testen?“

Ich stutze kurz, denn ich vermag das Bild der knappbehosten Jungsirene, welches sich angesichts des erwähnten Namens vor meinem inneren Auge auftut, nicht mit der vor mir stehenden Person in Zusammenhang zu bringen. Ich entscheide mich dafür, Christina Aguilera lieber nicht testen zu wollen. Schließlich hat man lange nichts von ihr gehört und sie könnte in der Zwischenzeit einen britneyspearsähnlichen sozialen Abstieg hinter sich haben. Vielleicht ist sie sogar über Nacht um dreißig Jahre gealtert und zwängt sich mittlerweile Tag für Tag in viel zu enge Hosen, um ihren Lebensunterhalt als Verkäuferin in der Parfumabteilung eines mittelmäßigen Warenhaus bestreiten zu können.

Noch ehe ich etwas sagen kann, drückt mir die korpulente Person ein 3×10 cm großes duftwassergetünchtes Pappkärtchen in die Hand. „Das neue Parfum von Christina Aguilera“, sagt sie. „Aha“, sage ich. Der Duft ist süß und vergänglich – genau wie das Dasein als Popsternchen.

Wellen


Photo: lady-kinkling

Wellen. Meine Augen sind geschlossen und ich höre nichts als das Rauschen des Meeres. Dabei bin ich gar nicht am Meer. Ich öffne meine Augen und sehe keinen steinigen Strand, kein offenes Meer und schon gar keine Wellen. Nicht einmal eine winzige Pfütze kann ich entdecken. Ich befinde mich in einem neu eröffneten Café in einem etwas biederen Wohnviertel einer Millionenstadt.

Der sterile Raum ist weiß und rosa getüncht, feng-shui-harmonisiert, die Wellengeräusche stammen von einer silbernen digitalen Scheibe. Die Speisekarte strotzt vor Vitalstoffen. Alles hier ist von Gluten, Weizen und Laktose befreit, vegetarisch, ernährungsphysiologisch wertvoll, reich an Vitaminen, Mineralstoffen, kalorienarm und aus kontrolliert biologischem Anbau. Auch an kaltgepressten Ölen sowie frischen Kräutern mangelt es hier nicht. Selbstverständlich stammen die Frühstückseier ausschließlich von den glücklichsten Hühnern, und wer davon nicht genug bekommen kann, darf sich sein ganz persönliches „Wellfoodcatering“ nach Hause bestellen.

Im Regal, dessen Hölzer sicher aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen, finden sich Druckerzeugnisse wie Natur & Heilen und der monatlich erscheinende simplyfy-your-life-Beratungsbrief. Während ich mich frage, ob diese Schriften korrekt auf Recyclingpapier gedruckt werden, verspüre ich eine mir völlig fremde Lust auf Coca-Cola, McDonald’s und Bild-Zeitung.

Schwarz-Grün kommt in Hamburg

GAL Nord mit Welt-Abo

Kommt Schwarz-Grün in Hamburg? Die Zeichen dafür stehen gut. Zur Vorbereitung hat der Kreisverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN GAL Nord schon einmal die Tageszeitung Die Welt abonniert. Das konservative publizistische Flaggschiff aus dem Hause Axel Springer könnte helfen, die Mitglieder der sogenannten Ökopartei auf eine Koalition mit der CDU ideologisch einzuschwingen.

Der Posten des Innensenators könnte bald frei werden, falls der auf einen Ruf aus seiner Heimat Bayern wartende Udo Nagel Hamburg tatsächlich verlassen sollte. In der Hansestadt gibt es schließlich nicht mehr viel für ihn zu tun. Die Stadt kann man dank seiner tatkräftigen Entwicklungshilfe nun bis auf den letzten Winkel per Video überwachen – und ein gelegentlicher Blick auf den Monitor dürfte bei dem Pfeifenraucher des Jahres 2004 auch in München Verzückungen hervorrufen.

Die Grünen brauchen im Prinzip nur noch zuzugreifen. Die Macht hängt sozusagen an der Türklinke.

Erdmöbel in Hamburg am 30.09.2007 im Uebel & Gefährlich

Erdmöbel

Denkt man als Hamburger an Köln, so fallen einem lediglich BAP, Kardinal Meisner und schales Bier aus Reagenzgläsern ein. Dabei gäbe es bei weitem sympathischere Botschafter der Domstadt am Rhein, nur kennt sie leider fast niemand. So versammelten sich gestern Abend im Club Uebel & Gefährlich auch eher nur 100 als die sicherlich verdienten 1000 Zuschauer, um der wunderbaren Musik der adrett in Anzug und Krawatte erschienenen Herrencombo zu lauschen. Denken die Erdmöbel, die am Vortag ein Konzert in Münster bestritten, an die Hansestadt im Norden, so fällt ihnen als erstes ein, dass sie gern hier spielten, da Hamburg fern genug der Heimat liegt, so dass ihre Eltern nicht im Publikum weilen.

Was geht, Muschikatz?, eine Coverversion des Tom Jones-Hits What’s New, Pussycat? eröffnete im beschwingten 3/4-Takt das Konzert. Bereits 2005 zeigte die Kölner Band auf ihrer Platte Für die nicht wissen wie, dass es ihnen mit fabelhafter Leichtigkeit gelingt, internationale Klassiker wie Burt Bacharachs Close To You, Anfang der 70er Jahre ein Erfolg der Carpenters, geschmackvoll ins Deutsche zu übertragen und im eigenen Erdmöbel-Sound, einer Mischung aus Melancholie und Easy-Listening, zu präsentieren.