Todesanzeigen

Todesanzeigen in der Süddeutschen Zeitung

Für mein Leben gern lese ich die Todesanzeigen in der Süddeutschen Zeitung. Der Lokalteil dieser Zeitung interssiert mich darüber hinaus nicht, schließlich habe ich weder in München gelebt noch kenne ich jemanden, der in der bayerischen Landeshauptstadt das Zeitliche segnen könnte. Das Beste an den Traueranzeigen sind die Bekanntmachungen der Friedhofsverwaltung. Hier wird genau bezeichnet, wer wann und wo beigesetzt wird; aber nicht nur das:  auch der Beruf der Verblichenen wird hier exakt angegeben. So weiß ich, dass die Menschen in München Tätigkeiten wie „Bundesbahnbeamter“, „Näherin“, „Hafner/Ofensetzer“, „Buchbinder“, „Maschinenstrickerin“ oder gar „Zolldeklarant“ nachgingen.

Allesamt Berufsbilder aus einer längst vergangenen Zeit, wie sie von den „Blättern zur Berufskunde“, die früher das Arbeitsamt, als es noch nicht Bundesagentur für Arbeit hieß, nicht hätte schöner ersonnen werden können. Noch nie ist ein „Facility Manager“, ein „Human Resources Developer“ oder ein „Social Media Consultant“ dahingeschieden. Nicht, dass diese Berufe unsterblich machten – aber bis diejenigen, die diese Berufe ausüben, an der Reihe sind, wird es wohl keine auf Papier gedruckten Todesanzeigen mehr geben.

21 Antworten auf „Todesanzeigen“

  1. @Julia: Dankeschön, prima Ergänzung. Allerdings dürften „Altschuster, Nagelschmiede und Rotfärber“ längst dahingeschieden sein.
    @ulfsch: „Halbgärtner“ ist auch schön, klingt allerdings fast ein bißchen wie die schwäbische Beschimpfung „Halbdackel“.
    @Holger: Mal sehen, was eher stirbt: die gedruckte Zeitung oder der Datenschutz. Im Moment bin ich mir nicht sicher. Die Bezeichnung Deines ersten Berufes könnte im Rahmen einer Todesanzeige übrigens auch für Heiterkeit sorgen. Ich hoffe allerdings, dass Du uns noch erhalten bleibst.
    @Hanna: Danke, wollte das schon immer mal schreiben, habe diesen Beitrag aber stets erfolgreich prokrastiniert. Ich bin froh, dass er endlich raus ist.

  2. Protest – noch sind sie nicht ganz ausgestorben, die Buchbinder ;-) (Es werden sogar noch neue ausgebildet) Vielen Dank für den Besuch bei mir; interessantes Blog, werd’s im Auge behalten!

  3. Sehr schönes, wenn auch leicht makaberes Hobby.. :) Sehr schön finde ich’s auch immer, wenn man auf dem Friedhof ist und sich dorten die „Titel“ der verstorbenen Ehefrauen durchliest „Ministerialratsgattin“ etc.

  4. Ich halte ehrlich gesagt eh nichts von diesen komischen englischen Berufsbezeichnungen wie „Facility Manager“ oder ähnlichem. Warum muss man immer alles ins Englische übersetzen?

  5. Auf dem Alten Friedhof in Bonn stehen die Berufsbezeichnungen auf den Grabsteinen, was einen beim Besuch in eine ganz besondere Stimmung versetzt. Und Schumann’s Robert liegt da auch…

  6. Pingback: Twitted by dvg

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