Winter und so

Glätte, auf Straßen und Trottoirs, überall glattes Eis: Das Gleichgewicht halten, ausrutschen, taumeln, sich schließlich doch noch ganz knapp, gerade so irgendwie auf den Beinen halten. Hundermal geht es gut, jedenfalls wenn man nicht seine Hände — sei es aus Lässigkeit oder Schutz vor der Kälte — in den Jackentaschen vergräbt. Man muss schon ein bißchen mit den Armen rudern können und dabei naturgemäß albern aussehen, um sich auf den Beinen halten. Das ist der Preis, den man zu zahlen bereit sein muss. Beim hundertersten Mal fällt man schließlich doch. Manchmal bricht man sich die Knochen, meistens aber nicht. Zwei Monate geht das nun schon so — und während wir uns anfangs noch gefragt haben, wo die vielbeschworene Klimaerwärmung bleibt, wenn man sie braucht, werden wir uns schon bald an die Ewigwinterigkeit gewöhnt haben.

All das Adrenalin, das dabei unsere Körper durchflossen hat. So etwas erbleben wir sonst in einer Dekade nicht. Das Herz rast und wir sind plötzlich ganz wach, obwohl wir uns noch Minuten zuvor beklagten, wie müde uns die ganztätige Dunkelheit zu machen pflegt. Falls dieser Winter eines Tages dann doch vorbei sein sollte, werden wir alle Bungeejumper, Cliffdiver oder Houserunner, weil wir einfach süchtig geworden sind nach dem Adrenalinkick und ihn immer und immer wieder erleben wollen …

6 Antworten auf „Winter und so“

  1. Vielleicht werden wir auch den Anblick grüner Baumkronen nicht mehr ertragen, wenn es irgendwann so weit ist. Das wird den arktischen Tourismus vorantreiben, das wiederum die CO2-Belastung, wodurch es dann doch etwas wird mit der Erderwärmung. Und schließlich wissen wir dann gar nicht mehr, wo uns der Kopf steht.

  2. Bei mir in berlin ist die schöne weiße Schneelandschaft in eine dunkelgrau bis schwarze Masse aus Schlamm und Rollsplitt mutiert. Ich halte mich immernoch auf den Beinen ohne zu fallen aber die Schneeschmelze produziert neues tückisches Eis über Nacht. Vielleicht schaffe ich es sogar ohne hinzufallen.

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