Destruktive Filter in der digitalen Fotografie

Aufgenommen mit instagr.am
Aufgenommen mit instagr.am

Fast jeder hat heute ständig eine Kamera in seinem Mobiltelefon dabei. Wir produzieren so viele Bilder wie keine Generation zuvor, aber sie werden nicht besser. Ich möchte hier nicht von gestalterischen Aspekten, sondern von ganz einfachen technischen, reden. Die digitale Technik ist in den letzten Jahren beachtlich vorangekommen: mit modernen Kameras können wir heute bei fast vollständiger Dunkelheit nahezu rauschfreie, scharfe Fotos aufnehmen – und das ganz ohne Blitz oder Stativ. Und trotzdem werden unsere Bilder immer schlechter. Selbst mit den winzigen Sensoren moderner Mobiltelefone können heute bei guten Lichtbedingungen ordentliche Ergebnisse erzielt werden.

Jedoch verschlechtern wir unsere Fotos mit voller Absicht: Zwar möchten wir einerseits möglichst viele Momente unseres Lebens im Bild, welches möglichst sofort in all unseren sozialen Netzwerken verfügbar sein sollte, festhalten. Andererseits hängen aber dennoch einem romantischen Bild der analogen Fotografie nach, ohne Jahre unseres Lebens mit chemischen Prozessen in der Dunkelkammer verbringen zu wollen. Wir sehnen uns nach der Ästhethik vergangener Jahrzehnte (Schwarzweiß, Vignetten, Lomographie etc.) und verwenden destruktive Filter, um unser visuelles Ideal zu erreichen. Unsere ohnehin schon unzulänglichen Handyaufnahmen werden jedoch durch die Anwendung von beliebten Applikationen wie instagr.am oder Hipstamatic noch weiter verschlechtert; das Original geht dabei oft verloren. Im Moment der Aufnahme kommt uns die historische Anmutung noch ansprechend vor.  Aber ist uns wirklich bewusst, dass es oft kein Zurück gibt? Wie werden wir in ein paar Jahren auf diese Bilder blicken?

Hello It’s Me

„I’m sorry that I doubted your good heart
things always seem to end before they start.“
(Lou Reed, Hello It’s Me)

Im April 1990 erschien das Album „Songs for Drella“ eine Hommage an Andy Warhol. Seit 1972 hatten John Cale und Lou Reed, beide ehemalige Mitglieder von The Velvet Underground keine Musik mehr zusammen gemacht und nun dieses wunderbare Konzeptalbum.

Irgendwann im Leben verändert sich die Musik, die man mag, wohl nicht mehr allzu stark. Damals allerdings war ich noch sehr auf der Suche. In der städtischen Bücherei konnte man die aktuellen Ausgaben des Musikexpress und der Rolling Stone einsehen, wovon ich ausgiebig Gebrauch machte. Der örtliche Plattenhändler hieß „Zapp Records“ und der Verkäufer Elvis. Er machte einen zumeist zugedröhnten Eindruck und wie alle Plattenhändler schien er nicht seinen Job, wohl aber seine Kunden zu hassen. Bestellungen nahm er nur widerwillig entgegen, umso größer war die Freude, wenn ein gesuchtes Album tatsächlich einmal verfügbar war: so auch in diesem Falle.

Obwohl lediglich eine vage Ahnung von Warhol und der Factory hatte, habe ich diese Platte damals rauf und runter gehört: melancholisch und poetisch ist das Werk; eine Geige ist dabei, aber trotzdem kein Kitsch. Besonders geliebt habe ich „Hello It’s Me“. Soeben zufällig wiederentdeckt, bekomme ich noch immer eine Gänsehaut, wenn ich dieses Stück höre. Damals habe ich mir vorgestellt, dass das Lied einmal auf meiner Beerdigung gespielt werden solle. Einige Teilnahmen später glaube ich jedoch, dass Musik aus der Konserve die Stimmung bei derartigen Anlässen auch nicht sonderlich hebt.

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Dies ist ein Beitrag aus meiner Serie “Der Soundtrack meines Lebens”. Weitere Beiträge dazu finden sich hier.

3. Advent

Manchmal sind es die kleinen Ideen, die den Durchbruch bringen. So wurde mein Bild zum 2. Advent auf Twitpic über 1.500 mal angesehen.

Weil es Euch offenbar so große Freude bereitet hat, will ich auch in dieser Woche meine auf das Wesentliche reduzierte Vorweihnachtsillumination mit Euch teilen. Für den passenden Soundtrack sorgen die Kollegen von jahrgangsgeraeusche.de.

Izis

Im April fotografierten wir uns gegenseitig noch zum Spaß unter der überlebensgroßen Skulptur Willy Brandts. Dieses Mal durchschreite ich die hellen Ausstellungsräume der Parteizentrale allein: Izis – Paris des Rêves. Ich glaube, ich habe noch nie von Paris geträumt. Die mehr als 300 gezeigten Schwarz-Weiß-Fotografien aus Frankreich, England und Israel sind mir eine dankbare Zerstreuung. Poetischer Realismus.

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