Manipulation

Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.
(aus „Pippi Langstrumpf“)

Gestern veröffentlichte ich einen Beitrag mit einem Bild des Flughafens Tempelhof. Nachdem ich dieses Bild auch bei Flickr hochgeladen habe, lobte mich eine geschätzte Fotografin dort für die gekonnt eingefangene Stimmung. Die Sache hat allerdings einen Haken: Die Stimmung entstand einzig und allein in meinem Kopf. Und auch das erst Monate, nachdem die Fotografie aufgenommen wurde.

Tatsächlich handelt es sich bei der originalen Szenerie nicht um das gestern von mir wiedergegebene Tempelhofer Feld mit sagenhaft trister Anmutung, sondern um einen ehemaligen Flughafen an einem durchschnittlich schönen Berliner Frühlingstag. Die Modellierung von Gradationskurven, selektiver Sättigung und Farbtemperatur schufen eine komplett andere Atmosphäre. Ganz so, wie ich sie für meinen Beitrag benötigte. All dies ist kein Hexenwerk, sondern sind in der Fotografie durchaus gängige Stilmittel, denen man sich bereits in analogen Dunkelkammern bediente.

Obwohl wir uns der Möglichkeiten der Manipulation vollkommen bewusst sind, nehmen wir ein Bild wahr und glauben, es sei die Wirklichkeit. Manchmal ist es aber doch ganz anders. Genau so ist es auch mit Worten.

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Destruktive Filter in der digitalen Fotografie

Aufgenommen mit instagr.am

Aufgenommen mit instagr.am

Fast jeder hat heute ständig eine Kamera in seinem Mobiltelefon dabei. Wir produzieren so viele Bilder wie keine Generation zuvor, aber sie werden nicht besser. Ich möchte hier nicht von gestalterischen Aspekten, sondern von ganz einfachen technischen, reden. Die digitale Technik ist in den letzten Jahren beachtlich vorangekommen: mit modernen Kameras können wir heute bei fast vollständiger Dunkelheit nahezu rauschfreie, scharfe Fotos aufnehmen – und das ganz ohne Blitz oder Stativ. Und trotzdem werden unsere Bilder immer schlechter. Selbst mit den winzigen Sensoren moderner Mobiltelefone können heute bei guten Lichtbedingungen ordentliche Ergebnisse erzielt werden.

Jedoch verschlechtern wir unsere Fotos mit voller Absicht: Zwar möchten wir einerseits möglichst viele Momente unseres Lebens im Bild, welches möglichst sofort in all unseren sozialen Netzwerken verfügbar sein sollte, festhalten. Andererseits hängen aber dennoch einem romantischen Bild der analogen Fotografie nach, ohne Jahre unseres Lebens mit chemischen Prozessen in der Dunkelkammer verbringen zu wollen. Wir sehnen uns nach der Ästhethik vergangener Jahrzehnte (Schwarzweiß, Vignetten, Lomographie etc.) und verwenden destruktive Filter, um unser visuelles Ideal zu erreichen. Unsere ohnehin schon unzulänglichen Handyaufnahmen werden jedoch durch die Anwendung von beliebten Applikationen wie instagr.am oder Hipstamatic noch weiter verschlechtert; das Original geht dabei oft verloren. Im Moment der Aufnahme kommt uns die historische Anmutung noch ansprechend vor.  Aber ist uns wirklich bewusst, dass es oft kein Zurück gibt? Wie werden wir in ein paar Jahren auf diese Bilder blicken?